Adventistische Konferenz zu Ehe, Brautpreis, Polygamie und Scheidung in der afrikanischen Kultur

Silver Spring, Maryland/USA | 16. März 2018 | APD |

In einer Premiere kamen leitende Personen der drei teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) in Afrika aus den Abteilungen adventistischer Familiendienste zusammen, um herausfordernde Themen aus dem Bereich Ehe und Familie sowie afrikanische Kultur und Traditionen zu diskutieren. Es ging dabei um Themen wie das christliche Eheverständnis, den Brautpreis, Polygamie und Scheidung. Die „Panafrikanische Konferenz der Adventisten zu dynamischen Familienbeziehungen“ (Adventist Pan-African Conference on Dynamic Family Relations) vom 1. bis 3. März fand auf dem Campus der Adventist University of Africa (AUA), in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi statt. Dies berichtete die nordamerikanische Kirchenzeitschrift Adventist Review (AR).

Die Konferenz sei vor allem organisiert worden, um die Beziehung zwischen tief verwurzelten Kulturen und Traditionen in ganz Afrika und der biblischen Weltanschauung im Zusammenhang mit Familien zu diskutieren, sagte Willie Oliver, der gemeinsam mit seiner Frau Elaine die Abteilung „Familiendienste“ der adventistischen Weltkirchenleitung führt.

Die Relevanz der Bibel bezüglich Ehe und Familie
Das Eröffnungsreferat hielt Pastor Ron du Preez, Lehrbeauftragter an mehreren adventistischen Universitäten, einschließlich der AUA. Du Preez sprach über die Relevanz der Bibel in Bezug auf zeitgenössische Fragen innerhalb der Familie. „Während die einen die Aussagen der Bibel bezüglich Ehe und Familie als irrelevant, als rückständig gegenüber der Wissenschaft, als kulturell bedingt und verwirrend betrachten“, erklärte du Preez, „sehen andere die Bibel als den geoffenbarten Willen des Schöpfergottes“.

Christliche Familien in Afrika
Sampson Nwaomah, Dekan des theologischen Seminars der AUA, betonte in seinem Referat, das er mit seiner Frau Angela hielt, dass die soziale Grundeinheit in Afrika die Großfamilie oder das Kollektiv sei, im Gegensatz zum westlichen Individualismus. Er betonte laut AR, dass die Familie in Afrika die Verantwortung für die Weitergabe von traditionellen Normen, Werten, Überzeugungen, Wissen und praktischen Fertigkeiten trägt. Aus diesem Grund „spielen Familien in Afrika eine wichtige Rolle bei der Kultivierung, Reifung und Erhaltung der persönlichen Identität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, so Nwaomah. Es bestehe Einigkeit darüber, dass die christliche Familie in Afrika eine Familie sei, in der „die Prinzipien des Familienlebens bewusst von biblischen Werten geleitet und geprägt werden“, sagte der Dekan. Dennoch würden christliche Familien in Afrika mit einer Reihe von kulturellen Zwängen und Normen konfrontiert.

Migration als Herausforderung
Migration nannte er als eine der Herausforderungen. Häufig ziehe ein Ehepartner auf der Suche nach finanzieller Stabilität und Einkommen in die Stadt, während der andere in einem ländlichen Gebiet bleibe. Dies führe laut Nwaomah tendenziell zu einem „Zusammenbruch der Kommunikation, zu Untreue, häuslicher Gewalt und Scheidung“.

Scham-Kultur
Die Scham-Kultur sei eine weitere Herausforderung, die eng mit dem Konzept von „Ubuntu“ - der kollektiven Existenz - verbunden sei. Die Gemeinschaft lege großen Wert auf bestimmte Normen, einschließlich der Fruchtbarkeit. So werde laut Sampson Nwaomah in einer Kultur, in der Kinder hoch geschätzt seien, Druck auf Paare ausgeübt, die keine Kinder bekämen, was zu Scheidung, Mehrfachverheiratung geführt habe oder gar Ursache für häusliche Gewalt gewesen sei.

Monogamie und Polygamie
Pastor Ron du Preez referierte auch um Thema Polygamie, das eine kulturelle Tradition und Norm in einigen Teilen Afrikas sei, mit der sich die Kirche seit langem konfrontiert sehe. Aus dem biblischen Schöpfungsbericht gehe hervor, dass Monogamie das ursprüngliche und ideale Design Gottes für die Mann-Frau-Beziehung sei.

Unter Bezugnahme auf mehrere bekannte biblische Personen, die mehrere Ehefrauen hatten, argumentierte du Preez laut AR, dass eine solche Entscheidung immer zu familiären Herausforderungen geführt habe.

Die Frage- und Antwortzeit zu diesem Thema sei deutlich länger als üblich gewesen, schreibt Adventist Review. Mehrere Teilnehmer hätten auf „die Realität vor Ort“ verwiesen. Diese Realität sei ein Zeichen dafür, wie schwierig es sei, sich mit der tief verwurzelten Kultur in Afrika auseinanderzusetzen. Zu den Herausforderungen gehörten Männer mit mehreren Frauen, die durch die Taufe adventistische Christen werden wollten. Ethische Fragen stellten sich bezüglich der Folgen für jene Ehefrauen, die „entlassen“ werden sollten. Sie würden in ihrer Gesellschaft teilweise als Verstoßene angesehen, würden an den Rand gedrängt und dürften oft nie wieder heiraten.

Traditionelle afrikanische Religionen
Bezüglich Ehe und Familie hätten die „Afrikanischen Traditionellen Religionen“ (ATR) einen großen Einfluss, sagte Jongimpi Papu, Pastoralsekretär der regionalen Kirchenleitung (Vereinigung) am Kap in Südafrika: „In Afrika ist die Kultur sehr religiös.“

Zu den am häufigsten vertretenen Überzeugungen innerhalb der „Afrikanischen Traditionellen Religionen“ gehöre die Zentralität der verstorbenen Vorfahren. Es werde angenommen, dass sie „lebendig“ und „dem Menschen näher als Götter“ seien. „Vorfahren sind Hüter der Familienangelegenheiten, Traditionen und Ethik“, sagte Papu. „Die stärksten Einflüsse des Menschen kommen von den Vorfahren, und die Menschen sind immer in der Gegenwart der Vorfahren.“

Gemäß Adventist Review sei der Kern von Papus Präsentation ein Appell gewesen, einige Aspekte der afrikanischen Kultur als wertvoll und als Chance zu betrachten. Er habe eine klare Unterscheidung zwischen kulturellen Normen gemacht, die für Christen geeignet seien, und solchen, die es nicht sind: „Die Tatsache, dass etwas natürlich ist, bedeutet nicht, dass es richtig ist“. Gleichzeitig habe Papu dafür plädiert, eine kulturadaptierte Sprache zu verwenden, um Menschen effektiv zu erreichen. „Wir können in afrikanischen Kategorien reden, während wir biblische Prinzipien erklären“, argumentierte er.

Traditionelle und zivile Eheschließung in Afrika
Die traditionelle Eheschließung in Afrika sei Ausdruck der Beteiligung der Großfamilie und könne in einigen Fällen auch traditionelle Normen wie Polygamie, Ahnenverehrung, eheähnliche Partnerschaft und Vernunftehe einschließen, sagte Michael Sokupa, stellvertretender Direktor der Nachlassverwaltung von Ellen G. White, Mitgründerin der Kirche. Die traditionelle afrikanische Eheschließung beziehe in vielen Fällen die Kirche nicht mit ein.

Die Zivilehe stelle einen wachsenden Trend in Afrika dar, so Sokupa. Sie erfordere nur einen Staatsbeamten und zwei Zeugen. Diese Praxis widerspreche dem afrikanischen Brauch und führe zu Spannungen zwischen dem Paar und der Großfamilie. Allerdings neige auch die standesamtliche Eheschließung dazu, die Kirche auszuschalten, die versucht habe, dem Ehepaar Orientierung zu geben.

Brautpreis – „Lobola“
Die afrikanische Tradition, die einen Mann auffordert, einen Preis für seine Braut zu zahlen, werde im Volksmund „Lobola“ genannt, sagte Jongimpi Papu. Beim „Lobola“ handle es sich um eine differenzierte Verhandlung zwischen den beiden Familien, bei der oft ein externer Unterhändler involviert sei. Die Familie des Bräutigams stimme einem bestimmten Preis für die Braut zu, die nach der Vereinbarung verschiedene eheliche Rechte an den Bräutigam übertrage, einschließlich der Fortpflanzung. Laut Papu ist der Brautpreis „eine der wenigen afrikanischen Praktiken, die immer noch sowohl von Christen als auch von Nichtchristen akzeptiert wird“.

Als negative Auswirkung des „Lobola“, könne die Wahrnehmung genannt werden, dass Frauen als zu kaufende Waren angesehen würden, dass Familien mit niedrigem Einkommen den Brautpreis einfach als Einkommensquelle nutzten und dass der „Lobola“ Männern eine Lizenz zum Missbrauch ihrer Frauen geben könne.

Als mögliche Vorteile von „Lobola“ nannte Jongimpi Papu, dass er eine symbolische Geste sei, um die beiden Familien zusammenzubringen und den gegenseitigen Respekt zu fördern. Er zeige auch, dass der Mann in der Lage sei, seine Frau finanziell sowie emotional zu unterstützen und appelliere an seine Aufrichtigkeit, zudem erinnere er das Paar daran, dass der Ehebund ein ernsthaftes Unterfangen sei.

Nach einer Übersicht der Brautpreis-Referenzen in der Bibel sei Papu zum Schluss gekommen, dass die Brautpreis-Praxis in der Bibel weder ausdrücklich verboten noch ausdrücklich gefördert werde.

Scheidung
Kagelo und Boitumelo Rakwena, Leiter der Abteilung „Familiendienste“ der teilkontinentalen Kirchenleitung (Division) im Südlichen Afrika und Indischen Ozean (SID), referierten über Scheidung auf dem afrikanischen Subkontinent. Die negativen Auswirkungen glichen jenen in Europa und Nordamerika: Betroffene Kinder, hätten Schul- und psychische Probleme; für Frauen bestünde selbst nach einer zweiten Eheschließung ein Armutsrisiko; Männer und Frauen seien nach einer Scheidung mit Orientierungslosigkeit konfrontiert, hätten mehr Angst und Depressionen und seien mit gestörten sozialen Netzwerken konfrontiert.

Laut dem Ehepaar Rakwena würden verschiedene Faktoren zu einer steigenden Scheidungsrate in Afrika beitragen: Veränderte Geschlechterrollen sowie Frauen, die erwerbstätig würden, hätten zu gescheiterten Ehen und zu einem schwindenden Stigma in Bezug auf die Scheidung beigetragen. Auch die Verstädterung sei ein Faktor, der die Scheidungsraten beeinflusse. Die Großfamilie sei weit weg und der positive Effekt des gemeinschaftlichen Charakters der afrikanischen Familie gehe verloren.

Das Ehepaar Rakwena betonte auch, dass es einen Zusammenhang zwischen der Scheidungsrate und dem Alter der Braut gebe: „Bildung und eine Zunahme der Jahre vor der Heirat lasse reifere Individuen heranwachsen, die eher verheiratet bleiben, vor allem Frauen“, berichteten sie.

Resolutionen
Die „Panafrikanische Konferenz der Adventisten zu dynamischen Familienbeziehungen“ verabschiedete bei der Abschlussveranstaltung am 3. März zwölf Resolutionen, welche der Wichtigkeit der Abteilungsarbeit für Familiendienste bei allen strategischen Plänen und Budgetprioritäten der Kirche Ausdruck verleihen sollen.

Organisiert wurde die Konferenz von den Abteilungen für Familiendienste der adventistischen Weltkirchenleitung sowie jenen der teilkontinentalen Kirchenleitungen aus Ost-Zentralafrika (East Central Africa, ECD), West-Zentralafrika (West Central Africa, WAD) und Südliches Afrika und Indischer Ozean (Southern Africa-Indian Ocean, SID).

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