Münster: Interkonfessionelles Gespräch und Gebet „unter den Täuferkäfigen“

Münster (Westfalen) | 11. Mai 2018 | APD |

Heilung der Erinnerung angesichts eines historischen Traumas

Im Rahmen des 101. Deutschen Katholikentages wurde auch die Gewaltherrschaft der Täufer in den Jahren 1534 und 1535 in Münster thematisiert. Römisch-katholische wie evangelisch-lutherische Obrigkeiten hatten im Zeitalter der Reformation die blutige Verfolgung aller Täufer, Anhänger des sogenannten linken Flügels der Reformation, die sich durch die (Wieder-)Taufe von Erwachsenen auszeichneten und die Kindertaufe ablehnten, mit den „Greueln von Münster“ gerechtfertigt. In einem interkonfessionellen Gespräch sowie einem Mittagsgebet „unter den Täuferkäfigen“ in der St. Lamberti-Kirche trugen Vertreter der evangelisch-lutherischen, der römisch-katholischen und der mennonitischen Kirche am 11. Mai zur „Heilung der Erinnerung“ bei.

Umkehr und Versöhnung unter den Täuferkäfigen
Das als kurzer Schuldbekenntnis- und Versöhnungs-Gottesdienst gestaltete Mittagsgebet in der St. Lamberti-Kirche thematisierte die Verfolgung der Täufer durch die großen Kirchen im Zeitalter der Reformation, die ungerechtfertigte Gleichsetzung auch der friedlich gesinnten Anhänger der Täuferbewegung mit gewaltbereiten Extremen in Münster, sowie die Behandlung der drei in „Wiedertäufer-Käfigen“ aufgehängten Führer der Bewegung. Die Liturgie schöpfte aus Dialogdokumenten, die durch gemeinsame Arbeitsgruppen der beteiligten Kirchen in den letzten Jahren entstanden sind.

Zum historischen Hintergrund
Dem Mittagsgebet vorausgegangen war ein Podium unweit der St. Lamberti-Kirche, das eine historische Einführung in die Geschehnisse in Münster der 1530er Jahre bot. Das Podium war ebenfalls interkonfessionell (römisch-katholisch, evangelisch-lutherisch, mennonitisch) besetzt. Dabei wurde betont, dass es sich bei der Täuferbewegung, der „radikalen Reformation“, um ein mitteleuropäisches Phänomen handelte. „Münster war eine kleine Spitze eines großen Eisbergs“, so der Historiker Dr. Ralf Klötzer.

Das sogenannte „Täuferreich von Münster“ war in den 1530er Jahren eine Hochburg der radikalen Reformation geworden. Unter dem Eindruck der militärischen Einkesselung und des Aushungerns durch katholische Truppen radikalisierte sich die Bewegung weiter. Das „Täuferreich von Münster“ endete im Juni 1535 mit der Rückeroberung der Stadt durch den Fürstbischof Franz von Waldeck. Die Täuferführer Bernhard Krechting, Bernd Knipperdolling und Jan van Leiden wurden gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Nach Vollstreckung des Urteils am 22. Januar 1536 wurden ihre Leichname in eigens gefertigte eiserne Körbe gesteckt und an der Südseite des Turms von St. Lamberti aufgehängt. Die Eisenkörbe, die dort bis heute im Original angebracht sind, bekamen bald die Bezeichnung „Wiedertäufer-Käfige“.
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