Adventisten: Wechsel im Referat Kriegsdienstverweigerung und Frieden

Theologe aus Australien
Horst Sebastian stammt aus Whyalla im australischen Bundesstaat South Australia. 1998 schloss er sein Studium als Diplom-Theologe an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg ab. Von 1998 bis 2015 war er Pastor verschiedener adventistischer Kirchengemeinden in Hamburg und Lübeck. 2011 promovierte er als Theologe im Fachbereich Missionswissenschaften bei Professor Dr. Johannes Reimer an der Universität von Südafrika (UNISA) mit einer Arbeit über „Mission als Mediation: Vermittlung und soziale Transformation als Aufgabe der Kirche“.

Zudem war der Theologe Lehrbeauftragter beim Studiengang „Peace and Security Studies (M.A.)“ des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) an der Universität Hamburg sowie im Fachbereich Christliches Sozialwesen der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg. Gegenwärtig leitet er auch die Abteilung Religionsfreiheit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (Hansa-Vereinigung). Kürzlich hat der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) Sebastian zur Mitarbeit in ihren neuen „Arbeitskreis Frieden und Versöhnung“ berufen. Der Theologe wird die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten auch in der Mitgliederversammlung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) vertreten. Die EAK ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung und Friedensarbeit zuständig sind.

Dr. Horst Sebastian wohnt in Hamburg, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Bisheriger Amtsinhaber
Sebastian übernahm in Teilzeit die Leitung des Referats Kriegsdienstverweigerung und Frieden von dem Diplom-Theologen und Kommunikationswirt Holger Teubert (69). Teubert hatte bereits als Gemeindepastor seit Anfang der 1980er Jahre Kriegsdienstverweigerer beraten und sie als Beistand bei den damaligen Prüfungsausschüssen, Prüfungskammern und dem Verwaltungsgericht begleitet. 1986 veröffentlichte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in der Bundesrepublik Deutschland seine 172-seitige „Handreichung für Kriegsdienstverweigerer“. 1991 wurde Teubert beauftragt, für seine Freikirche in Deutschland eine Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ein Referat für zwischenkirchliche Beziehungen und eine Zentralstelle für Weltanschauungsfragen aufzubauen. Zusätzlich erhielt er auch die Leitung des Referats Kriegsdienstverweigerung (KDV). Als er im April 2015 in den Ruhestand ging, war er weiterhin ehrenamtlich für das Referat KDV und Frieden zuständig. Seit 1997 arbeitete er als freikirchlicher Vertreter auch in der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) mit. Zunächst vertrat er dabei die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) nur in der EAK-Mitgliederversammlung, von 2001 bis 2018 auch im EAK-Vorstand.

„Schuld und Versagen“ sowie „Mut zum Frieden“
Teubert setzte sich unter anderem dafür ein, dass die adventistische Freikirchenleitung in Deutschland anlässlich des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erneut Stellung zum Thema Kriegsdienst nahm. Kurz nach der allgemeinen Mobilmachung hatte die damalige mitteleuropäische Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten in Hamburg am 2. August 1914 den einberufenen Adventisten in einem Rundschreiben empfohlen, ihre „militärischen Pflichten freudig und von Herzen [zu] erfüllen“, von den Kriegswaffen Gebrauch zu machen und auch am Sabbat den Kriegsdienst zu versehen. Das Schreiben und weitere derartige Veröffentlichungen riefen während des Ersten Weltkriegs in den Gemeinden einen vielschichtigen Protest hervor, der zu Spannungen führte.

Daran erinnert eine Stellungnahme zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, welche die Ausschüsse des Süd- und Norddeutschen Verbandes der Freikirche am 6. und 13. April 2014 beschlossen und in der Kirchenzeitschrift „Adventisten heute“ (Mai 2014) unter dem Titel „Schuld und Versagen“ veröffentlichten. „Heute erkennen und bekennen wir“, so die beiden deutschen Ausschüsse der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, „dass unsere Väter in diesen Auseinandersetzungen oftmals nicht im Geist der Liebe und Versöhnung gemäß dem Vorbild Jesu gehandelt haben.“ Aus Sorge um den Bestand der Glaubensgemeinschaft seien Ratschläge erteilt worden, die dem Wort Gottes widersprochen und zu tiefgreifenden Verletzungen geführt hätten. Die damalige adventistische Leitung sei ihrer Verantwortung gegenüber den Gemeinden nicht gerecht geworden. Sie habe Glaubensgeschwister, die ihrer Meinung widersprachen, zu Unrecht des „Abfalls“ vom wahren Glauben bezichtigt und in einzelnen Fällen sogar von staatlichen Behörden verfolgen lassen.

In der Stellungnahme vom April 2014 wird zwar darauf hingewiesen, dass die damaligen Verantwortungsträger bereits 1920 und erneut 1923 ihre Erklärungen zum Kriegsdienst als „fehlerhaft“ zurückgenommen und bedauert hätten, „dass solche Dokumente herausgegeben worden sind“. Dennoch bekräftigen die beiden jetzigen deutschen Freikirchenleitungen: „Auch wenn heute niemand der damals Beteiligten mehr am Leben ist, so bitten wir doch ihre Kinder und Nachkommen … um Entschuldigung für unser Versagen. Wir haben aus unserer leid- und schmerzvollen Geschichte gelernt, dass Kinder Gottes berufen sind, Menschen des Friedens zu sein und jede Form von Gewaltanwendung gegenüber Unschuldigen abzulehnen. Wir glauben, dass Nachfolger Jesu den Aussagen der Heiligen Schrift am besten Folge leisten, wenn sie in ihrer Umgebung als Botschafter des Friedens und der Versöhnung wirken.“

„Mut zum Frieden“ lautet die Stellungnahme der Adventisten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Sie wurde bereits am 4. Dezember 2017 während der Jahressitzung des Ausschusses der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland beschlossen und in der Februar-Ausgabe 2018 der Kirchenzeitschrift „Adventisten heute“ veröffentlicht. Die Freikirchenleitung empfiehlt in der Erklärung ihren Mitgliedern, sich weder direkt noch indirekt an einem Krieg zu beteiligen. „Jesus Christus hat seine Nachfolger zu Friedensstiftern berufen“, wird in der Stellungnahme hervorgehoben. Wo Menschen im Frieden mit Gott lebten, suchten sie auch den Frieden mit Menschen; denn der Friede sei unteilbar und durchdringe alle Lebensbereiche. Daher empfiehlt die Freikirchenleitung ihren Mitgliedern sowie den Mitgliedern der Adventjugend in Deutschland, „sich weder direkt an einem Krieg im Rahmen des freiwilligen Dienstes in der Bundeswehr noch indirekt bei der Vorbereitung eines Kriegs durch Mitwirkung an der Waffen- und Zubehörproduktion sowie an der Informationstechnik zu beteiligen.“