Zum Tod von Rock ‘n’ Roll Legende und Adventistenpastor Little Richard

Richard Penniman wurde am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia/USA als drittes von insgesamt 13 Kindern geboren. Sein Vater war Ziegelsteinmetz, Kirchendiakon und Schmuggler und wurde ermordet, als Richard 19 Jahre alt war. Wegen seiner damaligen Körpergröße erhielt er den Spitznamen „Little Richard“, der zum Markenzeichen seiner späteren gesanglichen Karriere wurde. Seine Vorliebe für Gospelmusik wurde durch die regelmäßigen Gottesdienstbesuche der örtlichen Pfingst-, Baptisten- und Methodistengemeinden geprägt.

Little Richards Leben kann durchaus als schrill bezeichnet werden und das nicht zuletzt wegen seiner schillernden öffentlichen Bühnenpräsenz. Bereits als Heranwachsender verspürte er homosexuelle Neigungen und übernahm bei seinem ersten Engagement bei Jump-Blues-Sänger Billy Wright Travestie-Elemente wie Frauenkostüme und Make.up. In seinen erfolgreichsten Jahren 1955-1957 entstanden die größten Hits und Verkaufserfolge, darunter Tutti Frutti, Long Tall Sally, Ready Teddy, Rip It Up, Good Golly Miss Molly, Jenny Jenny und The Girl Can’t Help It.

Seine Musik, sein übertrieben dargebrachter Musikstil, die Wildheit seiner Auftritte und die energiegeladenen und artistischen Einlagen am und auf dem Klavier eröffneten nachfolgenden Musikern enorme Möglichkeiten. Auch trug er durch diese Exzentrik sicherlich dazu bei, in der Auseinandersetzung der Rassentrennung der USA, Farbige und Weiße miteinander anzunähern. Das männliche, weiße Publikum fürchtete durch diesen Star keine Nebenbuhlerschaft. Rockgrößen wie die Beatles, die Rolling Stones, Buddy Holly, Jerry Lee Lewis, Elvis Presley, Prince oder Freddie Mercury bekennen freimütig, durch diese Ikone – oder „Queen of Rock ‘n’ Roll“, wie er sich selbst nannte – inspiriert worden zu sein.

Die Musik war jedoch nur ein Teil seines bewegten Lebens. Auf dem Flug zu einer Konzerttournee in Australien brachte ihn ein religiöses Erlebnis dazu, seinen bisherigen Lebensstil aufzugeben und sich auf dem Oakwood Bible College (heute Oakwood University) in Huntsville, Alabama/USA zum Pastor der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ausbilden zu lassen. Auch musikalisch vollzog er eine Wende und veröffentlichte ab 1959 etliche Alben im Gospelstil.

Mitte der 1960er Jahre erlag Little Richard allerdings den verlockenden Verdienstmöglichkeiten eines Rock-Stars und leitete mit Bama Lama Bama Loo sein Comeback ein. Der Musikstil hatte sich allerdings gewandelt und er konnte an die früheren Erfolge nicht anknüpfen. Trotzdem fanden Wiederveröffentlichungen und Kompilationen eine weltweite Käuferschaft. Ende der 1970er Jahre kam es zu einem zweiten Rückzug von der Rockmusik und einer erneuten Tätigkeit als Pastor und Evangelist. Bei einer evangelistischen Versammlung in Boston knüpfte er Kontakte zu deutschen Besuchern und nahm eine Einladung der Kölner Adventjugend an, im Juni 1981 unter dem Titel „From Rock’n Roll to the Rock of Ages“ über seine Hinwendung zu Jesus und ein Leben ohne Drogen und Rock’n Roll zu erzählen. Leider musste er die Veranstaltung kurzfristig absagen.

Es folgten Jahre, in denen sich Little Richard fast unbemerkt von der Öffentlichkeit an den Ausbau einer schauspielerischen Karriere wagte. Um seine Pop-Ambitionen mit seiner christlichen Überzeugung zu verbinden erschienen weitere Gospel-Alben, von denen Shake it All About mit Rock ‘n’ Roll Versionen von populären Kinderliedern 1992 Platinstatus erreichte.

Nach mehrmaligen Ankündigungen erklärte der mittlerweile achtzigjährige Penniman 2013 seinen endgültigen Abschied aus dem Musikgeschäft und widmete sich wieder mehr dem christlichen Anliegen. In einer seiner letzten öffentlichen Auftritte 2017 rief der nach einer Hüftoperation im Rollstuhl sitzende Little Richard die Zuschauer in der TV-Show des Fernsehsenders 3ABN dazu auf, sich ganz Jesus hinzuwenden, alles andere sei unwichtig.