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Buchrezension: Andreas Speit: Verqueres Denken. Verquere Weltbilder in alternativen Milieus

Zum Inhalt

In der Beschreibung stützt sich Speit auf Forschungsergebnisse und eigene Recherchen. Dabei geht er gründlich – fast kleinteilig – vor und analysiert aktuelle und historische Quellen. In fünf Kapiteln werden die Protestler näher analysiert und ihre Weltbilder geprüft. Trotz Einleitung dient das erste Kapitel der Hinführung und stellt das Anti-Establishment vor, in dem Wirklichkeit und Wahn nahe beieinanderliegen. Allein die emotionale Gemeinschaft zählt. In dem nächsten Kapitel wird bei Impfkritikern und Alternativmedizinern das rationale Denken in Frage gestellt. Das dritte Kapitel zeigt die Ambivalenzen der Anthroposophie auf und kritisiert die mangelnde Selbstreflexion der Waldorf-Szene. Kapitel vier ist kurz und stellt kritisch die weniger bekannte Anastasia-Bewegung vor. Das letzte Kapitel zeigt, wie Veganer und Tierrechtler manchmal zu viel Recht haben wollen und so ins Menschenverachtende rutschen.

Speit führt aus, dass die Krise rechtes Gedankengut verstärkt. Antisemitismus, Antihumanismus und Antifeminismus findet der Autor in vielen der vorgestellten Anti-Modernen-Bewegungen. Dabei lassen sich viele gedankliche Inhalte auf die beiden Lebensreformbewegungen des letzten und vorletzten Jahrhunderts zurückführen.

Die Pandemie ziehe eine dritte Lebensreformbewegung nach sich, die eine neue Mentalität offenbare: die „rohe Bürgerlichkeit“ (Wilhelm Heitmeyer) mit der „Entkultivierung des Bürgertums“. In der Protestbewegung vermengen sich eine latente Sehnsucht nach Spiritualität mit Verschwörungsnarrativen. Speit stellt das Konzept der Conspirituality als eine Mischung aus conspiracy (Verschwörung) und spirituality (Spiritualität) vor und kritisiert deren unsachliche Vermengung, sowie die Rolle der Religion.

Zum Punkt

Speit hat enorme Quellenarbeit geleistet und schreibt detailreich. Die Überschriften sind gut gewählt, die Einleitung klingt vielversprechend. Man kann unschwer den Experten herauslesen und die Stoßrichtung des Buches klar erkennen. Leider bleibt der Autor oft bei der Beschreibung und historischen Herleitung der Weltbilder stehen. Es fehlt eine zusammenführende Kritik und eine weltbildliches Gegenkonzept. Der Blick für das große Ganze und eine philosophische Zusammenschau hätte in einem letzten Kapitel das Buch bereichert. Stattdessen endet das Buch etwas abrupt mit der Tierrechtsbewegung und dem Hinweis auf eine aufgeklärte Aufklärung. Diese Aufklärung kann als Ziel des Autors mit seiner Publikation verstanden werden. Wenn der Leser dem heutigen Mainstream zugehörig ist, wird ihn dies aber nicht sonderlich stören.

Claudia Mohr

Die Rezension kann als Dokument heruntergeladen werden: https://www.apd.info/wp-content/uploads/2022/05/Rezension-Verqueres-Denken-Andreas-Speit.pdf




Massaker an US-Grundschule: Adventisten trauern und fordern, Politiker in die Verantwortung zu nehmen

Die Kirchenleitung fordert nicht nur zum Gebet auf, sondern auch dazu, mehr zu tun: „Wir müssen einen Weg finden, um diese Art von abscheulicher und sinnloser Gewalt in unseren Städten und Dörfern zu beenden.“ Nationalen Berichten zufolge gab es im Jahr 2022 bisher 27 Schießereien an US-Schulen, bei denen es Verletzte oder Tote gab. „Kein Schüler sollte in Angst vor Waffengewalt leben. Es ist nicht hinnehmbar, dass diese Schießereien in irgendeiner Weise zur Normalität werden.“

Die Nordamerikanische Kirchenleitung zitiert eine Stellungnahme der Weltkirchenleitung, die vor 30 Jahren publiziert wurde, „bereits vor der aufgeheizten politischen Rhetorik unserer Tage“. Darin heißt es: „Automatische oder halbautomatische Waffen werden für Zivilisten immer leichter erhältlich. In manchen Ländern der Welt ist es relativ einfach, solche Waffen zu erwerben. Man sieht sie nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Schulen in der Hand Jugendlicher. Viele Verbrechen geschehen durch diese Art von Waffen. Sie sind zum Töten von Menschen gemacht. Sie haben keinerlei Legitimation als Sport- oder Freizeitwaffen.“

Politiker müssen handeln – menschliches Leben hat Vorrang

Die Adventisten in Nordamerika wollen nach Möglichkeiten suchen, „wie wir die Flut der Gewalt eindämmen und unsere gewählten Vertreter zum Handeln auffordern können“ und fordern, dem menschlichen Leben Vorrang zu geben.

„Wir dürfen nicht länger denken, dass wir in dieser Sache hilflos sind. Wir können etwas tun. Wir können unsere Politiker und uns selbst in die Verantwortung nehmen.“

Am Ende des Statements wird nochmals die Erklärung der Weltkirchenleitung vor mehr als 30 Jahren zitiert: „Siebenten-Tags-Adventisten möchten mit anderen Menschen guten Willens zusammenarbeiten und jedes legitime Mittel einsetzen, um die Ursachen für Verbrechen zu verringern und, wenn möglich, zu beseitigen.“




Begegnungszentrum „ACK-Polis“ auf Katholikentag in Stuttgart

„Die ACK macht deutlich, dass Ökumene in Deutschland bunt und vielfältig ist, das möchten wir mit unserer Polis erlebbar machen“, so Dr. Verena Hammes, Geschäftsführerin der ACK. „Polis“ ist das griechische Wort für „Stadt“. Die ACK-Polis bot verschiedene Angebote: Im Rathaus-Zelt wurden zum Beispiel die ACK-Mitgliedskirchen vorgestellt. Besucher hatten auf der Polis ferner die Möglichkeit, digitale Porträtfotos schießen oder sich von einer Karikaturistin zeichnen zu lassen.

Neben einem Glücksrad mit Fragen zur Ökumene gab es auch das „ACK-Poly“, das auf einer dreimal drei Meter großen Spielfläche Informationen zu unterschiedlichen Kirchen vermittelte. Im Café-Zelt wurden Publikationen der ACK angeboten und auf der benachbarten Bühne, die die ACK stundenweise betreute, ein Programm, das sich von Musik über Gebete bis hin zu Podiumsgesprächen erstreckte. An allen Bereichen der ACK-Polis waren ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierte aus den Mitgliedskirchen und regionalen ACKs präsent und für Gesprächsanliegen greifbar.

Über den Katholikentag

Am 102. Deutschen Katholikentag, der vom 25. bis 29. Mai in Stuttgart stattfand, haben 27.000 Gäste in Präsenz teilgenommen. Auf die entsprechende Website wurde mehr als 300.000-mal zugegriffen, da eine Reihe der insgesamt rund 1.500 Veranstaltungen im Livestream verfolgt werden konnte. Am Abschlussgottesdienst am Sonntag, den 29. Mai nahmen rund 6.000 Menschen teil. Der nächste Katholikentag soll vom 29. Mai bis 2. Juni 2024 in Erfurt stattfinden.

Über die ACK Deutschland

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) repräsentiert etwa 50 Millionen Christen in Deutschland. Ihr gehören 18 Kirchen an, weitere sieben Kirchen sind Gastmitglieder, darunter auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus.




Studie: Falsche vegetarische Ernährung erhöht die Sterblichkeit stärker als moderater Fleischkonsum in einer gesunden Ernährung

Ein hoher Verzehr ultraverarbeiteter Lebensmittel wird mit der Entstehung von Atemwegs-, Nierenerkrankungen und neurologischen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht – insbesondere Alzheimer und Parkinson. Viel rotes Fleisch dagegen kann das Risiko für Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten erhöhen. Die Sterblichkeitsrisiken dieser Ernährungsweisen wurden in der Studie mit denen einer gesunden Ernährung ins Verhältnis gesetzt und bewertet.

Eine der größten Studien auf diesem Forschungsgebiet

Im Vergleich zu den bisherigen Studien, in der die gesundheitlichen Auswirkungen ultraverarbeiteter und tierischer Lebensmittel untersucht wurden, war diese Studie mit über 77 000 Teilnehmern eine der umfangreichsten. Außerdem wurde eine Vielzahl von Ernährungsformen berücksichtigt, darunter vegetarische und nicht-vegetarische Darüber hinaus machten die Probanden Angaben zu Gewicht, Krankengeschichte, Alkoholkonsum, Schlaf, Bewegung, Lebensstil etc. Siebeneinhalb Jahre später waren 9293 Personen verstorben. Um eine noch größere Erkenntnis zu erlangen, entwickelten die Wissenschaftler ein statistisches Modell, das ihnen half, jede Variable unabhängig von anderen zu betrachten, darunter spezifisch die Aufnahme von ultraverarbeiteten Lebensmitteln. Die Ergebnisse der Studie, die ein Teil der Adventist Health Study-2 ist, wurden aktuell im Fachmagazin American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.[i]

Ergebnisse der Studie

Als Ergebnis wurde festgehalten, dass Menschen, die 50 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen, eine um 14 Prozent erhöhte Sterblichkeit aufwiesen, verglichen mit Menschen, die nur 12,5 Prozent ihrer Gesamtkalorien aus ultraverarbeiteten Lebensmitteln bezogen. Zum Vergleich: Wer täglich etwa 40 Gramm rotes Fleisch verzehrt, erhöhe sein Sterberisiko „nur“ um 8 Prozent – sofern er ultra-verarbeitete Lebensmittel weitgehend meidet.

„Ungesunde Vegetarier – gesunde Nicht-Vegetarier“

„Unsere Studie zeigt, dass es möglich ist, ein ungesunder Vegetarier oder ein gesunder Nicht-Vegetarier zu sein“, so Gary Fraser, MBChB, PhD, einer der Studienautoren und Professor an der Loma Linda University School of Medicine and School of Public Health. Sein Fazit: „Es scheint, dass der Anteil an ultra-verarbeiteten vegetarischen Lebensmitteln in der Ernährung in Bezug auf das Sterberisiko tatsächlich wichtiger ist als der Anteil an tierischen Lebensmitteln.“

„Wenn Sie daran interessiert sind, länger zu leben, sollten Sie eine Ernährung mit stark verarbeiteten Zutaten vermeiden“, so Fraser abschließend. „Machen Sie zudem rotes Fleisch zur Ausnahme. So einfach ist das.“[ii]

Loma Linda University Health

Die 1905 gegründete Loma Linda University Health, eine Institution der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, umfasst die acht Fakultäten der Loma Linda Universität (mit mehr als 4.400 Studierenden aus über 80 Ländern), die sechs Krankenhäuser des LLU Medical Center sowie mehr als 1.000 Fakultätsärzte in Südkalifornien. Loma Linda University Health bietet nach eigenen Angaben über 100 akademische Programme an und versorgt jährlich über 40.000 Patienten stationär und 1,5 Millionen ambulant.

[i] Orlich MJ, Sabate J, Fraser GE, et al. (2022) Ultra-processed food intake and animal-based food intake and mortality in the Adventist Health Study-2. The American Journal of Clinical Nutrition

[ii] Diese Meldung bezieht sich auf eine Pressemitteilung von Loma Linda University Health, siehe https://news.llu.edu/research/study-associates-higher-mortality-with-eating-lots-of-ultra-processed-foods-red-meat




ADRA Ukraine verteilt Brot, evakuiert Menschen, bietet psychologische und medizinische Hilfe

18 Psychologen leisten psychologische Hilfe in verschiedenen Städten

Demnach haben in dieser Woche 18 Psychologinnen und Psychologen im Auftrag von ADRA Ukraine kostenlose Hilfe für Kriegsopfer geleistet. Sie arbeiten online und offline. Persönliche Beratungen finden in den Städten Kiew, Dnipro, Lwiw, Ternopil, Uman, Terniwka (Region Dnipropetrowsk) und Starokostiantyniv (Region Chmelnyzkyj) statt. Außerdem gibt es mobile Psychologenteams, die in anderen Städten der Ukraine kollektive Zentren aufsuchen.

Medizinische Hilfe

Durch die Unterstützung von ADRA International wurde eine größere Menge medizinischer Hilfsgüter in ein Lagerhaus in Mukachevo geliefert: Aderpressen, Verbandsmaterial, Wärmepackungen für die Wärmetherapie in Notfällen, hämostatische Verbände und andere Artikel. Die Ladung ist für das Zentrum für öffentliche Gesundheit des Gesundheitsministeriums der Ukraine in Kiew bestimmt.

Nahrungsmittelhilfe

Die Nahrungsmittelhilfe erreichte in dieser Woche verschiedene Regionen auch die Einwohner der Stadt Charkiw. Mehr als sieben Regionen haben mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der UNO (WFP) und ADRA Ukraine frisches Brot erhalten. Nach den letzten Angaben im Rahmen dieses Projekts seit Beginn 525.000 Brote verteilt. ADRA Ukraine plant in naher Zukunft weitere Regionen ins Projekt aufzunehmen. Im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ wurden Lebensmittel an die Bewohner von Siedlungen in der Region Kiew verteilt: Bila Tserkva, Boryspil, Brovary, Fastiv, Uzyn, Boguslav und Boiarka sowie an Einwohner von Cherson.

Reparaturteams im Einsatz

Im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ wurde eine neue Hilfeleistung für Kriegsopfer gestartet: Freiwillige, vorwiegend in Butscha und Gostomel, stellen Türen her, bauen sie ein oder reparieren sie. Sie tauschen auch Türschlösser aus.

Hilfe bei der Evakuierung

Laut ADRA Ukraine nimmt die Zahl der durch das Hilfswerk Evakuierten täglich zu. Mit der Unterstützung von ADRA Tschechien wurden in der letzten Woche mehr als 2.500 Menschen aus gefährlichen Gebieten evakuiert. Rund 1.500 Menschen wurden dank des Projekts für sozialen Transport und Evakuierung aus Gefahrenzonen gebracht und mehr als 4.500 Personen wurden laut dem Hilfswerk im Rahmen des Projekts „Hoffnung für die Ukraine“ in sicherere Gebiete gebracht.

ADRA Ukraine

Die Hilfsorganisation ADRA Ukraine ist seit dem 21. Februar 1993 offiziell registriert und führt humanitäre Projekte durch. ADRA Ukraine hilft Opfern von Konflikten und Katastrophen, Binnenvertriebenen und ihren Familien, Waisen, Sozialwaisen in Waisenhäusern und Heimen, Krankenhauspatienten, hilft Menschen in Krisengebieten, Behinderten und älteren Menschen und fördert einen gesunden Lebensstil.

Seit Beginn des Euromaidan, – so werden die Proteste in der Ukraine zwischen November 2013 und Februar 2014 bezeichnet – und des bewaffneten Konflikts im Donbass (Ostukraine) im Jahr 2014 hat ADRA Ukraine laut eigenen Angaben mehr als 950.000 Menschen geholfen.




Tödliche Schüsse in Buffalo: Adventisten in Nordamerika trauern um Opfer und verurteilen Gewalt und Rassismus

„Wir fühlen zutiefst mit jenen, die Angehörige und Freunde verloren haben, und mit jenen, die weiterhin unter den Folgen dieser sinnlosen Tat leiden werden … Wir beten um Heilung für alle, die davon betroffen sind. Doch so intensiv unsere Gebete gesprochen werden und unsere Gedanken denjenigen gelten, die durch dieses schreckliche Ereignis am Boden zerstört wurden, so können wir doch nicht dabei stehen bleiben.“

Hass und Rassismus in allen Formen verurteilen

„Wir verurteilen diesen sinnlosen und vorsätzlichen Anschlag des Hasses und der Gewalt. Wir rufen alle Menschen guten Willens auf, ihre Stimmen und Plattformen zu nutzen, um Hass und Rassismus in all seinen Formen zu verurteilen. Mögen wir diese böswillige Absicht als Katalysator nutzen, um uns antreiben zu lassen und zu zeigen, dass Liebe stärker ist als Hass.“

Die adventistische Kirchenleitung ruft Kirchenmitglieder und Pastoren auf, für die Angehörigen ein Umfeld zu schaffen in dem sie sich angenommen fühlen und aussprechen können. Gleichzeitig soll in der Kirche darüber gesprochen werden, „wie die Gewalt und der Rassismus, die unser Land spalten, angegangen werden können.“

„Wir glauben: ‚Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die im Geist zerbrochen sind‘ (Psalm 34,18). Möge dies für all diejenigen gelten, die in dieser Zeit des Verlustes trauern und bedrückt sind.“




Das täuferische Erbe und seine Bedeutung für die Gegenwart – Jahrestagung 2022 des Vereins für Freikirchenforschung

500 Jahre Täuferbewegung

Im Jahr 2025 jährt sich zum 500. Mal die erste Gläubigentaufe, die als Beginn des reformatorischen Täufertums und der mit ihm verbundenen täuferischen Kirchen, wie Mennoniten, Baptisten und Siebenten-Tags-Adventisten, gilt. Seit dem Jahr 2020 nähern sich Mitglieder aus verschiedenen freikirchlichen und landeskirchlichen Gemeinden unter dem Motto „gewagt!“ dem Täufergedenken in Themenjahren an. Eine Tagung des Vereins für Freikirchenforschung und der Theologischen Hochschule Elstal widmete sich der Frage nach der Bedeutung des täuferischen Erbes für die heutige Zeit.

Der baptistische Pastor Jens Stangenberg (Bremen) hob in seinem Vortrag hervor, dass die Täufer des 16. Jahrhunderts durch ihre kritische Haltung zum Bestehenden charakterisiert waren. Bei allem kritischem Hinterfragen stellten sie jedoch stets die Versöhnung in den Mittelpunkt. Die Täufer, so Stangenberg, lebten eine „Wir-Gestalt“ des Glaubens: lebensfördernd, friedensstiftend und das Miteinander der Menschen in den täuferischen Gemeinden stärkend. Keine zentrale institutionelle Instanz habe Vorgaben gemacht. Dies förderte die Mündigkeit und war, so Stangenberg, im positiven Sinne „Anarchie“.

Auch die blinden Flecken sehen

Dass auch die „blind spots“ einer Vergangenheit zur Sprache kommen müssen, darauf wies die Historikerin Astrid von Schlachta (Hamburg/Weierhof) hin. Die Mennoniten, heutzutage eine überzeugte Friedenskirche, standen in der Vergangenheit nicht immer zu ihrem Friedenszeugnis. Häusliche Gewalt, Unterstützung des Krieges beziehungsweise der Dienst an der Waffe gehörten immer wieder und spätestens seit dem 19. Jahrhundert überwiegend zum mennonitischen Leben.

Dazu zählte auch systemische Gewalt, wie einige Fälle sexuellen Missbrauchs in der neueren Zeit ans Tageslicht gebracht hätten. Joel Driedger (Karlsruhe) verdeutlichte dies am Fall des mennonitischen Theologen John Howard Yoder.

Kirche neu denken

Eine vom Vorsitzenden des Vereins für Freikirchenforschung, Andreas Liese (Bielefeld), geleitete Podiumsdiskussion rückte aktuelle freikirchliche Bünde und Neugründungen in den Mittelpunkt, die sich an den historischen Täufern orientierten. In Österreich und in Schweden etwa seien unterschiedliche Freikirchen in Bünden vereint und in Großbritannien verstehe sich das „Anabaptist Mennonite Network“ nicht als Institution, sondern als Netzwerk. Im aktuellen Verlust der gesellschaftlichen Position der Christen sehen dessen Mitglieder die Chance, Kirche neu zu denken und „Ballast“ abzuwerfen.

Aufarbeitung der täuferischen Geschichte

Ein letzter Programmpunkt der Tagung widmete sich der Aufarbeitung der täuferischen Geschichte von Verfolgung und Martyrium im ökumenischen Kontext. Andrea Strübind (Oldenburg) und Lothar Triebel (Bensheim) zeigten anhand der Dialoge, die zwischen verschiedenen lutherischen, katholischen und mennonitischen Verbänden abgehalten wurden, dass trotz aller Bereitschaft zum Gespräch und zum gegenseitigen Verständnis die Täufer immer noch eine „Sonderrolle“ einnehmen. Es sei in den Augen der „großen“ Kirchen keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sie zum pluralen Spektrum der Reformation zu zählen. Uwe Swarat (Elstal) sprach den Umgang mit den Verurteilungen der Täufer in der „Confessio Augustana“ von 1530 an. Es bleibe abzuwarten, welche Debatten darüber in den Jahren bis 2030 entstehen werden.

Die Tagung in Elstal habe deutlich gemacht, wie präsent das täuferische Erbe im Bewusstsein heutiger Kirchen und Gesellschaften sei. Allerdings hätte die Tagung auch gezeigt, wie interessegeleitet Geschichtsschreibung sei und dass Geschichte deshalb immer wieder neu geschrieben werden müsse.

Verein für Freikirchenforschung (VFF)

1990 gründeten Theologen und Historiker aus verschiedenen Freikirchen den Verein für Freikirchenforschung. Initiator war Professor Dr. Robert Walton, seinerzeit Direktor des Seminars für Neue Kirchen- und Theologiegeschichte der Theologischen Fakultät der Universität Münster. Heute hat der Verein Mitglieder aus 27 Denominationen. Fach- und Laienhistoriker aus zwölf Ländern gehören ihm an. 180 Einzelpersonen und 21 Institute arbeiten zusammen, um wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen der Freikirchenforschung zu fördern.

Der VFF befasst sich mit theologischen und kirchengeschichtlichen Themen aus freikirchlichen Blickwinkeln. Er fördert wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen der Freikirchenforschung. Dazu unterhält der Verein auch eine freikirchliche Fachbibliothek, die ihren Standort an der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg hat.

Darüber hinaus möchte der VFF Freikirchen bei der sachgerechten Archivierung von Quellenmaterial und beim Auf- und Ausbau von Archiven unterstützen.  Tagungsbeiträge und Forschungsberichte werden im Jahrbuch des Vereins für Freikirchenforschung veröffentlicht.

Weitere Informationen: www.freikirchenforschung.de.

Theologische Hochschule Elstal

Die Theologische Hochschule Elstal ist eine durch das Land Brandenburg staatlich akkreditierte kirchliche Hochschule in Trägerschaft des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden K.d.ö.R. Sie hat im Jahr 2007 nach der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat die institutionelle Akkreditierung als Fachhochschule erhalten und ist 2013 erfolgreich institutionell reakkreditiert worden. Damit hat sie das Recht, staatlich anerkannte Hochschulabschlüsse zu verleihen.

Die Theologische Hochschule Elstal bietet drei akkreditierte Studiengänge mit staatlich anerkannten Studienabschlüssen an: Bachelor-Studiengang Evangelische Theologie, Master-Studiengang Evangelische Theologie und Master-Studiengang Diakonie und Sozialtheologie.

Weitere Informationen: https://www.th-elstal.de/




Adventisten in Deutschland planen Schritte zur Zusammenlegung ihrer überregionalen Verbände

Auf Antrag der Mittelrheinischen Vereinigung (die Verwaltungsgemeinschaft der adventistischen Gebietskörperschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland) beschlossen die Delegierten des Süddeutschen Verbandes in einer getrennten Sitzung „die Verbandsausschüsse im SDV und NDV zu bitten, zeitnah die verfassungsgemäß notwendigen Schritte und Beschlüsse vorzubereiten, um die organisatorische Einheit unserer Freikirche in Deutschland herzustellen.“ In schriftlicher Abstimmung votierten 183 Delegierte mit Ja, es gab 102 Gegenstimmen. Bereits 2017 sprachen sich die Delegierten des Norddeutschen Verbandes auf ihrer turnusgemäßen Tagung mit großer Mehrheit (160 Ja-, 47 Nein-Stimmen) dafür aus, die beiden deutschen Verbände mittelfristig zusammenzulegen.

Trend zur verstärkten Zusammenarbeit

Damit setzt sich der Trend zur verstärkten Zusammenarbeit der beiden adventistischen Verbände in Deutschland fort. Neben einer deutschlandweiten gemeinsamen Finanzverwaltung für die Freikirche existieren schon seit längerem bundesweite Einrichtungen, wie das Religionspädagogische Institut (RPI), das Institut für Weiterbildung (IfW), der Deutsche Verein für Gesundheitspflege (DVG), das Advent-Wohlfahrtswerk, die Presse- und Informationsstelle, das Referat für zwischenkirchliche Beziehungen, die Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und das Referat Kriegsdienstverweigerung. Ebenfalls gibt es nur noch ein Zentrallager in Deutschland für den Materialbedarf der Ortsgemeinden. 2016 ist für beide Verbände zum ersten Mal ein gemeinsamer Finanzvorstand gewählt worden.

Auf der Delegiertentagung wurde ebenfalls beschlossen, alle Leitungspositionen – mit Ausnahme der Präsidenten – für beide Verbände in Personalunion zu besetzen (s. Meldung von gestern: https://www.apd.info/2022/05/17/adventisten-in-deutschland-waehlen-freikirchenleitung/) Ebenfalls soll nach einem Anfang Dezember 2020 gefassten Beschluss der Exekutivausschüsse beider Verbände eine gemeinsame Verwaltungsdienststelle für beide Verbände geschaffen werden, die ihren Sitz in Darmstadt haben wird.

 Adventistische Organisationsstruktur

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland ist Teil einer weltweit organisierten Kirche. Deren örtliche Adventgemeinden in einem oder mehreren Bundesländern sind zu einer regionalen Verwaltungsgemeinschaft (Vereinigung) zusammengeschlossen. Mehrere Vereinigungen bilden als überregionale Kirchenleitung einen Verband. Den Verbänden global übergeordnet ist die Generalkonferenz als weltweite Kirchenleitung. Die Generalkonferenz unterhält als Abteilungen (Divisionen) insgesamt 13 teilkontinentale Kirchenleitungen. Für die deutschen Adventisten ist die Intereuropäische Division mit Sitz in Bern/Schweiz zuständig. Ursprünglich gab es in Deutschland den Ostdeutschen, Westdeutschen und Süddeutschen Verband. Schon Mitte der 1980er- Jahre hat es erste Empfehlungen gegeben, den West- und Süddeutschen Verband, und nach der Wiedervereinigung Deutschlands auch den Ostdeutschen Verband, zu einem Verband zusammenzulegen. Jedoch haben sich 1992 lediglich der Ost- und Westdeutsche Verband zum Norddeutschen Verband zusammengeschlossen.

Weitere Beschlüsse

Auf Antrag der Verwaltungsgemeinschaft Berlin-Mitteldeutsche Vereinigung beschlossen die Delegierten des Norddeutschen Verbandes, bei Sanierungen und Neubauten von kirchlichen Gebäuden auf Nachhaltigkeit zu achten und die ökologischen Aspekte des Betriebs zu berücksichtigen und entsprechende Fördergelder in Anspruch zu nehmen. Außerdem wird in die Verfassung des Norddeutschen Verbandes ein Passus zur Förderung der Gleichstellung eingefügt. Dafür stimmten mehr als zwei Drittel der NDV-Delegierten.

Weniger Mitglieder, stabile Finanzen

Aus dem Konferenzbericht geht hervor, dass die Zahl der adventistischen Kirchenmitglieder in den letzten fünf Jahren leicht von 34.948 auf 34.285 gesunken ist. Auch die Zahl der adventistischen Kirchengemeinden sank von 555 auf 546. Die finanzielle Lage der Verbände ist stabil geblieben.

Krankenhäuser, Schulen, Medien und soziale Aktivitäten

Die Freikirche in Deutschland betreut durch ihren Jugendverband rund 5.000 Pfadfinder, Teenager und Jugendliche. Sie ist in jedem Bundesland eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie unterhält das Berliner Gesundheitsnetzwerk Waldfriede mit dem gleichnamigen Krankenhaus der der Klinik „Nikolassee“, die Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg, das Schulzentrum Marienhöhe in Darmstadt, sowie weitere Grund- und Realschulen sowie Kindergärten. Das Advent-Wohlfahrtswerk e. V. ist Träger von Seniorenheimen, Kindergärten, Hospizen und weiteren sozialen Einrichtungen. Auch das Medienzentrum Hope Media Europe in Alsbach-Hähnlein bei Darmstadt, mit dem Sender Hope TV, der Hope-Hörbücherei und dem Hope Bibelstudien-Institut sowie der Advent-Verlag, Lüneburg, stehen unter adventistischer Leitung. Der Deutsche Verein für Gesundheitspflege setzt sich in Regionalgruppen sowie u. a. durch Seminare und die Ausbildung von Gesundheitsberatern für die Gesundheitsförderung ein. Die Entwicklungshilfeorganisation ADRA Deutschland gehört zum weltweiten ADRA-Netzwerk und ist in vielen Ländern mit humanitären Hilfsprojekten engagiert.




Adventisten in Deutschland wählen Freikirchenleitung

Ergebnisse der Wahlen

Bei der Wahl stimmten die Delegierten beider Verbände getrennt ab. Beide Verbandspräsidenten erhielten von den Delegierten ihres Verbandes jeweils über 80 Prozent der Stimmen.

Mit Ausnahme der Verbandspräsidenten sind alle weiteren Leitungspositionen in Personalunion besetzt worden, das heißt, die gewählten Personen sind für beide adventistischen Verbände zuständig und wurden in getrennten Abstimmungen von den Delegierten beider Verbände gewählt. Alle erhielten ebenfalls über 80 Prozent Zustimmung. Zum Vizepräsidenten und Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau wurde Pastor Alexander Kampmann gewählt. Zuvor war er Abteilungsleiter für missionarischen Gemeindeaufbau der Adventisten in Nordrhein-Westfalen. Im Laufe seines pastoralen Dienstes sammelte er zudem Erfahrungen in der Jugendarbeit und als Gemeindegründer. Sein neues Amt wird er ab 1. September ausüben.

Die Wahl eines Finanzvorstandes wurde in Ermangelung eines Wahlvorschlags den Exekutivausschüssen der Verbände übertragen. Zuletzt hatte Dieter Neef dieses Amt von 2016 bis Ende Februar 2022 inne.

Zum Abteilungsleiter für Erziehung und Bildung wurde Christian Fischer gewählt, der bereits zuvor als Beauftragter für diesen Bereich im Norddeutschen Verband tätig war. Der bisherige Abteilungsleiter für Bildung und Erziehung des Süddeutschen Verbandes, Heinz Schlumpberger, tritt in den Ruhestand, wird aber noch unterstützend tätig sein.

Die Abteilungen Adventjugend und Kommunikation wird künftig Pastor Ruben Grieco leiten. Bereits zuvor leitete er gemeinsam mit Pastor Bert Seefeldt die Adventjugend in Deutschland. Bert Seefeldt ist am 1. April zur adventistischen Hilfsorganisation ADRA gewechselt. Die Abteilung Kommunikation der Freikirche wurde bis Mitte 2021 von Pastor Stephan G. Brass geleitet, der anschließend in den Ruhestand verabschiedet wurde, inzwischen aber vorübergehend wieder als Ortspastor in München tätig ist.

Zur Leiterin der Abteilung Frauen wurde Daniela Canedo wiedergewählt. Sie hat diese Position seit April 2021 inne und ist darin Nachfolgerin von Angelika Pfaller, die im Sommer 2021 in den Ruhestand trat. Diese war zuvor seit 2012 Leiterin der Abteilung Frauen im SDV und später auch im NDV.

Zum Abteilungsleiter für die Pastorendienste wurde Pastor Friedbert Schramm wiedergewählt.

Zur Person: Werner Dullinger (Präsident Süddeutscher Verband)

Der aus Deggendorf in Bayern stammende Werner Dullinger studierte nach dem Abitur am damaligen Theologischen Seminar Marienhöhe der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt. Von 1980 bis 1984 war er Jugendpastor in München, sowie ab 1990 ordinierter Pastor in Marburg an der Lahn. Von 1987 bis 1989 studierte er an der adventistischen Andrews Universität in Berrien Springs, Michigan/USA, und schloss mit einem Master of Divinity (M.Div.) in Theologie ab. Ab 1991 war er Abteilungsleiter für den Bereich Kinder und Jugend der regionalen Kirchenleitung der Adventisten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. 2003 bis 2006 absolvierte Dullinger berufsbegleitend ein Masterstudium in „Leadership and Administration“ ebenfalls an der Andrews Universität. 2007 wurde er als Finanzvorstand in den Süddeutschen Verband der Freikirche berufen – eine Tätigkeit, die er bis 2015l ausübte. Werner Dullinger ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Zur Person: Johannes Naether (Präsident Norddeutscher Verband)

Der gebürtige Kölner Johannes Naether studierte zunächst Geschichte und Englisch in Köln und bereitete sich danach am damaligen adventistischen Theologischen Seminar Marienhöhe, Darmstadt, auf sein geistliches Amt vor. Als Pastor wirkte er 14 Jahre in Hannover, Gifhorn und Braunschweig. Von 2001 bis 2012 war er Leiter der Siebenten-Tags-Adventisten in Niedersachsen und Bremen. Johannes Naether ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Norddeutscher und Süddeutscher Verband der Adventisten

Der Norddeutsche Verband mit Sitz in Hannover besteht aus den vier regionalen Kirchenleitungen Nordrhein-Westfalen, Hanse (Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern) sowie Berlin-Mitteldeutschland (Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und zählt 18.716 erwachsen getaufte Kirchenmitglieder in 325 Adventgemeinden. Zum Süddeutschen Verband mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart gehören die drei regionalen Kirchenleitungen Baden-Württemberg, Bayern und Mittelrhein (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) mit insgesamt 15.569 erwachsen getauften Kirchenmitgliedern in 221 Adventgemeinden.

Zwischenkirchliche Beziehungen

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) sowie Mitglied in der Deutschen Bibelgesellschaft (DBG).

Verbandsdelegiertentagung alle fünf Jahre

Die Delegierten des Nord- und Süddeutschen Verbandes tagen alle fünf Jahre. Sie nehmen die Rechenschaftsberichte über die Arbeit der vorangegangenen Amtsperiode entgegen und erteilen den Verantwortungsträgern Entlastung. Sie wählen die künftige Freikirchenleitung und entscheiden über Anträge. Außerdem beschließen sie Rahmenrichtlinien und Pläne für die Arbeit in den kommenden fünf Jahren (ein weiterer Bericht folgt).




ADRA Ukraine verteilt Nahrungsmittel und evakuiert gefährdete Personen

Nahrungsmittelhilfe in verschiedenen Städten und Regionen

Demnach fand die Verteilung der Lebensmittelpakete in der Küstenstadt Odessa in Anwesenheit von Vertretern der humanitären Organisationen WFP und ADRA Ukraine sowie von Medien statt. Täglich werde Brot auch an die Einwohner der Regionen Sumy, Tschernihiw, Poltawa, Odessa und Saporischschja verteilt. Unterstützt werden damit Stadtverwaltungen, Sozialstationen, Krankenhäuser, Unterkunfts- und Versorgungszentren für Geflüchtete und ehrenamtliche Helfer. Die Städte Mykolajiw und Kiew haben Nahrungsmittelhilfe in Form von Nudeln und Sonnenblumenöl erhalten.

Die Bewohner eines Dorfes in der Region Charkiw, das fünf Kilometer von der Kontaktlinie zu den Gebieten außerhalb ukrainischer Kontrolle entfernt liegt, hätten in der vergangenen Woche Hilfe in Form von 122 Lebensmittelpaketen sowie psychologischer Unterstützung erhalten.

Das ADRA-Ukraine-Projekt „Hoffnung für die Ukraine“ leistet weiterhin humanitäre Hilfe in verschiedenen Regionen des Landes durch die Versorgung mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten und Kleidung.

Evakuierungen aus Krisengebieten

Die Evakuierung der Menschen aus den Krisenherden in sichere Gebiete gehe weiter, so ADRA. Dank des Zusammenwirkens mehrerer laufender ADRA-Projekte in der Ukraine konnten seit Beginn des Krieges bis Ende vergangener Woche durch die Hilfsorganisation 10.000 Menschen evakuiert werden.




Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft nach drei Jahren wieder in Präsenz

Der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Christoph Rösel, freute sich über den würdigen Preisträger: „Mit innovativen Projekten zeigen sie, wie Bibelverbreitung und Bibelbegegnung heute gelingen kann.“ Die Laudatio zur Verleihung hielt Stephan Zeipelt, Geschäftsführer der von Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen. Zeipelt hob die Vielzahl innovativer Projekte hervor, an der insbesondere die ehrenamtlich Mitarbeitenden der von Cansteinschen Bibelanstalt beteiligt sind. Dazu gehört zum Beispiel die „Berliner Legobibel“. Daran wirkten von 2015 bis heute mehr als 100 Schulklassen mit mehreren tausend Schülerinnen und Schülern mit.

Die Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft tagte mit rund 50 Vertreterinnen und Vertretern von Bibelgesellschaften, Kirchen und christlichen Werken im Tagungszentrum des Wycliff e.V., dessen Tätigkeitsfeld sich international auf Sprachforschung, Bibelübersetzung und Alphabetisierung erstreckt. Die Versammlung beschäftigte sich unter anderem mit den Tätigkeitsberichten aus der nationalen und internationalen Arbeit der DBG, der Bibelverbreitung und der digitalen Präsenz der DBG.

Über die Deutsche Bibelgesellschaft 

Die Deutsche Bibelgesellschaft (DBG) ist eine eigenständige Stiftung mit Sitz in Stuttgart. Zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt sie die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers heraus. International verantwortet sie die wissenschaftlichen Bibelausgaben in den Ursprachen. Die Weltbibelhilfe der DBG unterstützt gemeinsam mit dem Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) weltweit die Übersetzung und Verbreitung der Bibel. Generalsekretär Dr. Christoph Rösel ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bibelgesellschaft. Vorsitzende der Vollversammlung und des Aufsichtsrates ist die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und EKD-Ratsvorsitzende, Dr. h. c. Annette Kurschus. Zu den Mitgliedern der jährlich tagenden DBG-Vollversammlung gehört auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.




Protestantische Kirchen in China 2021 – Statistik Update

Gemäß diesen beiden Quellen, so schreibt der Informationsdienst China heute des Vereins China-Zentrum e. V. in Sankt Augustin (bei Bonn), zählt die Volksrepublik China 38 Millionen protestantische Gläubige, die sich in 60.000 Kirchengemeinden versammeln. Die Protestanten unterhalten 22 theologische Ausbildungsstäten (Seminare) und werden nach Angaben des damaligen Präsidenten des Chinesischen Christenrates, Gao Feng, von rund 14.000 „professionellen Klerikern (Pastorinnen und Pastoren, Lehrerinnen und Lehrer, Presbyterinnen und Presbyter)“ geleitet. Außerdem sind 22.000 Predigerinnen und Prediger seelsorgerisch tätig.

Die Zahl von 38 Millionen Protestanten geht vermutlich – so China heute – auf eine Studie der Forscher Lu Yunfeng und Wu Yue und Zhang Chunni von der Pekinger Universität zurück. Es gibt auch höhere Schätzungen, wie beispielsweise die vom Pew Research Center bereits 2011 ermittelte Zahl von 58 Millionen Protestanten. Im Jahr 2020 nannten fünf Forscher und Pastoren dem protestantischen Portal ChinaSource ihre „preferred estimates“ (bevorzugte Schätzungen) für die gegenwärtige Zahl protestantischer Christen in Festlandchina; diese bewegten sich in einer Bandbreite von 50 Millionen bis 116 Millionen. Andererseits wird nach den Angaben von China heute in letzter Zeit auch von einem Rückgang der protestantischen Christen berichtet. Allerdings geht diese Information über eine sinkende Zahl auf eine Erhebung zurück, die bereits im Oktober 2018 auf einem „Forum für Christentumsforschung“ veröffentlicht wurde

Präsenz der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in China

Die protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in China tätig. Organisatorische Strukturen wurden 1930 mit der Gründung der „China Division“ geschaffen. Damals zählte die Freikirche 156 Kirchengemeinden mit 9.456 erwachsen getauften Mitgliedern. Gleichzeitig begann die Bildungsarbeit mit 103 eigenen Schulen in denen 3.325 Schülern und Studenten auf den Sekundarschul- und College-Ebenen unterrichtet wurden.

Für die Zeitspanne von 1950 bis 1986 existieren infolge der damaligen politischen Lage keine offiziellen Mitgliederverzeichnisse bzw. Gemeindelisten.

Heute umfasst die „Chinese Union“ der Siebenten-Tags-Adventisten, mit Verwaltungssitz in Hongkong, geografisch die Volksrepublik China sowie die beiden Sonderverwaltungszonen (SARS’s) Hongkong und Macau. Der neuesten Statistik von 2020 zufolge gehören zur Chinese Union 472.314 erwachsen getaufte, adventistische Kirchenmitglieder, die sich in 4.601 Kirchengemeinden versammeln.




WHO zeichnet 10.000-Zehen-Kampagne von Adventist Health in Fidschi aus

Laut Adventist Record, der adventistischen Kirchenzeitschrift im Südpazifik, wurde die Auszeichnung am 5. Mai vom fidschianischen Minister für Gesundheit und medizinische Dienste, Dr. Ifereimi Waqainabete, an den Leiter der transkontinentalen Kirchenleitung der Adventisten im Südpazifik (Südpazifik-Division), Pastor Glenn Townend, überreicht.

Mit der Auszeichnung wird die Arbeit der 10.000-Zehen-Kampagne gewürdigt, die dazu beiträgt, die Ausbreitung von Zivilisationskrankheiten, insbesondere von Diabetes, im pazifischen Raum zu bekämpfen.

Auf Fidschi sind mehr als 2.000 Botschafter für die Kampagne im Einsatz

„Es ist ein Privileg, für unsere Arbeit in diesem Bereich der Lebensstilmedizin anerkannt zu werden“, sagte die Koordinatorin der 10.000-Zehen-Kampagne für den Südpazifik, Pam Townend.

Laut George Kwong, dem regionalen Botschafter der 10.000-Zehen-Kampagne, gibt es auf den Fidschi-Inseln mehr als 2.000 Botschafter, die sich für die Bekämpfung von Diabetes einsetzen. „Wir haben derzeit eine Reihe von Wellness-Zentren, in denen Gesundheitsscreenings und Lebensstil-Interventionsprogramme angeboten werden. Unser Ziel ist es, bis Ende 2025 über 100 Wellness-Zentren zu betreiben.“

10.000-Zehen-Kampagne auch in sechs anderen Ländern präsent

Nach den Worten von Pam Townend sei die 10.000-Zehen-Kampagne nicht nur in Fidschi, sondern auch in sechs anderen Ländern präsent. Im Rahmen der Kampagne werden derzeit fünf mobile Kliniken unterhalten, es wurden bisher über 4.000 Botschafter geschult, 101 Fachleute weitergebildet, über 954 Screening-Kits bereitgestellt und über 10.000 Menschen auf Diabetes getestet. „Unsere Arbeit ist erst dann beendet, wenn jedes Dorf im Pazifik die Möglichkeit hatte, sich auf eine Gesundheitsreise zu begeben und wir freuen uns auf diese Herausforderung“, so Pam Townend.

Evidenzbasierte Lebensstilmedizin kann Lebensstilkrankheiten vorbeugen

Die Koordinatoren der Kampagne sind davon überzeugt, dass die Integration einer evidenzbasierten Lebensstilmedizin in die Universitätsmedizin Krankheiten des Lebensstils vorbeugen, aufhalten und in einigen Fällen sogar rückgängig machen kann.

„Die 10.000-Zehen-Kampagne wird nicht nur Leben und Gliedmaßen retten, sondern auch das Leben der Menschen verändern, indem sie mit der Weltgesundheitsorganisation, Regierungen und verschiedenen Gesundheits-organisationen zusammenarbeitet, um Diabetes und anderen chronischen Krankheiten Einhalt zu gebieten“, sagte Geraldine Przybylko, Strategiebeauftragte von Adventist Health für den Südpazifischen Raum.

Viele Amputationen

Aktuelle Statistiken zeigen, dass alle 20 Minuten einem Menschen im Südpazifik aufgrund von Diabetes eine Gliedmaße amputiert werden muss, und dies hat negative Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften. Die Lebensgrundlagen werden beeinträchtigt, Familien in Mitleidenschaft gezogen und die Regierungen belastet.

Weitere Informationen zur Kampagne: https://www.10000toes.com/

Bildlegende (von links):

Fidschis Gesundheitsminister Dr. Ifereimi Waqainabete, Dr. Davina Nand, Leiterin der Abteilung Wellness und medizinische Dienste im Gesundheitsministerium Fidschis, George Kwong, regionaler Botschafter der 10.000-Zehen-Kampagne, Pastor Glenn Townend, Präsident der Adventisten im Südpazifik, Shelley Wallace, Direktorin der WHO für den pazifischen Raum, Pastor Maveni Kaufononga, Präsident der für die Region zuständigen adventistischen Kirchenleitung (Trans-Pazifik-Verband).




Adventistischer Kirchenleiter aus der Ukraine besuchte Deutschland

Pastorales und diakonisches System funktioniert

Unter den Kriegsopfern befänden sich auch adventistische Christen. Einige Gemeindehäuser seien beschädigt, manche sogar zerstört worden. Auch zahlreiche Privathäuser von Kirchenmitgliedern seien zerstört worden. Dennoch funktioniere das pastorale und diakonische System weiterhin, so Nosov. Die Kirche versuche humanitäre Hilfe zu leisten. Wichtig sei auch die Medienarbeit von HopeTV Ukraine, die den Menschen vor Ort Hoffnung spende. In der humanitären Hilfe sei das adventistische Hilfswerk ADRA in der Ukraine und in den umliegenden Ländern aktiv.

Fast alle Kirchenmitglieder im humanitären Einsatz

Neben der Arbeit vor Ort unterstütze die adventistische Kirche auch Menschen auf der Flucht. So würden Gemeindehäuser zur Übernachtung für Flüchtlinge auf der Durchreise zur Verfügung gestellt. Auch Menschen, die durch den Krieg Hab und Gut verloren haben, können in Gemeindehäusern Unterkunft finden. Evakuierungen aus Gefahrenzonen nimmt die Kirche vor Ort ebenfalls vor. Nahezu jedes Kirchenmitglied sei nach den Worten von Nosov derzeit im Dienst für Menschen aktiv. Siehe auch die APD-Meldung https://www.apd.info/2022/05/04/adventisten-in-der-ukraine-leiden-hoffen-helfen-und-beten/

Menschen finden zum Glauben

Auch in dieser schwierigen Lage sei der Segen Gottes spürbar, so Nosov. Menschen fänden trotz des Krieges oder gerade wegen dieser großen Not zum Glauben an Jesus Christus und ließen sich taufen (Adventisten praktizieren die Taufe von Erwachsenen).

Die Situation der ukrainischen Kriegsvertriebenen verglich Nosov mit Johannes, der auf Patmos im Exil leben musste, und schloss seine Predigt mit der Verheißung: „Wie die Lage auch ist, Jesus Christus geht an unserer Seite.“

Stanislav Nosov konnte während seines Aufenthaltes dringend benötigte Hilfsgüter entgegennehmen. Dankbar zeigte er sich auch für eine finanzielle Unterstützung, die Pastor André Lang im Auftrag regionalen adventistischen Kirchenleitung in Berlin-Mitteldeutschland übergab.

Die Ansprache von Stanislav Nosov kann im Predigtpodcast der Adventgemeinde Chemnitz unter diesem Link angehört werden:

https://adventgemeinde-chemnitz-predigten.letscast.fm/episode/auch-im-krieg-geschuetzt-in-gottes-armen

Auch eine Veröffentlichung des Vortrags auf dem YouTube-Kanal der Adventgemeinde Chemnitz ist geplant.




Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland bleibt vollständig Teil der weltweiten United Methodist Church

Der zurückliegende Sonntag (1. Mai), markiert den offiziellen Beginn der Global Methodist Church (GMC, Globale methodistische Kirche). Der Aufbau einer sich von der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church, UMC) abspaltenden und jetzt unter dem Namen Global Methodist Church gegründeten Kirche zeichnete sich über Jahre hinweg ab. Letzte Anlässe waren die mit einer knappen Mehrheit für eine Ordnungsverschärfung in sexualethischen Fragen votierende außerordentliche Generalkonferenz der UMC im Februar 2019 mit daraus folgenden Auseinandersetzungen in vielen Bereichen der weltweiten methodistischen Kirche und die knapp ein Jahr später vorgelegte Mediationsvereinbarung „Versöhnung und Gnade durch Trennung“. Die formale Gründungsversammlung der GMC soll am morgigen Freitag (6. Mai) in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana stattfinden.

Gemeinschaftsbund sieht Segnung gleichgeschlechtlicher Paare kritisch

„Obwohl uns die theologischen Positionen dieser neuen Kirche nahe sind, müssen wir unseren Weg in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt nicht neu überdenken“, sagte Andreas Kraft mit Blick auf die erfolgte Gründung dieser neuen methodistischen Kirche. Kraft ist Sprecher des deutschen Gemeinschaftsbunds der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), der aus Beschlüssen des für Deutschland zuständigen Kirchenvorstands hervorging. Diese Beschlüsse öffneten den Weg des deutschen Teils der EmK zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und Ordination Homosexueller zum pastoralen Dienst. Mit der Gründung des Gemeinschaftsbunds eröffneten die Beschlüsse gleichzeitig die weiterhin mögliche Beheimatung traditioneller Positionen in sexualethischen Fragen. Liberale und traditionelle Positionen gingen auf dieser Basis bewusst einen Weg versöhnender Gemeinschaft, heißt es in einer Presseerklärung der EmK.

„Zu diesen Beschlüssen stehen wir“, betonte der in einer Hamburger EmK-Gemeinde aktive Pastor und Sprecher des Gemeinschaftsbunds. Deshalb habe sich die Frage nach einem Beitritt zu dieser neuen Kirche nicht gestellt. „Neue, bemerkenswerte Ereignisse an anderen Orten führen nicht notwendigerweise dazu, die eigene Position neu zu beschreiben“, ergänzt Kraft die loyale Haltung zu dem in Deutschland eingeschlagenen Weg. Der Vorstand des Gemeinschaftsbunds habe die neue Sachlage nur kurz beraten und zur Kenntnis genommen. „Wir haben Frieden, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen“, bestätigt Kraft die kurz gefassten Äußerungen im Vorstand des Gemeinschaftsbunds. Der Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, Harald Rückert, äußerte sich dankbar „für diese klare und verbindliche Haltung des deutschen Gemeinschaftsbundes. Der Weg in versöhnter und versöhnender Verschiedenheit, sei zwar anstrengend, aber verheißungsvoll.

Evangelisch-methodistische Kirche

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland (EmK) ist Teil der UMC, einer weltweit strukturierten evangelischen Freikirche, die aus einer Erweckungsbewegung in England im 18. Jahrhundert hervorging. Führende Persönlichkeiten am Anfang der Bewegung waren die Brüder John und Charles Wesley. Höchstes Leitungsgremium ist die alle vier Jahre tagende Generalkonferenz.

Weltweit zählen sich zur UMC rund zwölf Millionen Menschen. In Afrika, Amerika, Asien und Europa arbeitet die UMC auf Basis weltweiter und ineinandergreifender Strukturen. Sie ist bewusst nicht nationalstaatlich organisiert, sondern arbeitet über Ländergrenzen hinweg.

Zur EmK in Deutschland zählen sich gut 46.000 Kirchenmitglieder und Kirchenangehörige in 432 Gemeinden. Harald Rückert, Frankfurt am Main, ist der für Deutschland zuständige Bischof.




Adventisten in der Ukraine leiden, hoffen, helfen und beten

Der am 24. Februar von Russland begonnene Angriffskrieg auf die Ukraine hat laut „statista“ bis Anfang Mai zu 5,5 Millionen Geflüchteten in andere Länder und laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zu 7,7 Millionen Binnenflüchtlingen geführt. Das sei die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

„Ein Drittel der Adventisten wurde vertrieben oder ist geflüchtet“

Maksym Krupskyi, Direktor der Hope Media Group, dem Medienzentrum der Adventisten in der Ukraine sowie der Abteilung für öffentliche Angelegenheiten und Religionsfreiheit der adventistischen Kirchenleitung in der Ukraine, wies auf die Auswirkungen des Krieges hin. „Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber ich gehe davon aus, dass mehr als 30 Prozent unserer Kirchenmitglieder Vertriebene oder Flüchtlinge sind.“ Bei einer Gesamtmitgliederzahl von 43.307 bedeutet dies, dass etwa 13.000 ukrainische Adventisten ihre Heimat verloren haben oder gezwungen sind, sie zu verlassen.

In vom russischen Militär besetzten Gebieten ist die Versorgungslage prekär

„Die Menschen, die in Gebieten leben, in denen keine militärischen Auseinandersetzungen stattfinden, kommen bislang gut zurecht“, sagte Nosov. Die Situation in den besetzten Gebieten sei jedoch anders. „Den Kirchenmitgliedern dort gehen die Lebensmittel, das Wasser und die Möglichkeiten, zu heizen, aus. Es ist eine humanitäre Krise“, so der Kirchenleiter.

Zerstörte adventistische Kirchengebäude, andere dienen Obdachlosen

Einige Kirchengebäude seien zerstört worden. Unbeschädigte Gebäude dienten als Unterkünfte für Obdachlose.

Alle adventistischen Schulen sind geschlossen – sie bieten online Unterricht an

Von den 40 Schulgebäuden, die der adventistischen Kirche in der Ukraine gehören, seien zwischenzeitlich alle geschlossen und der Unterricht werde online angeboten. Das Ukrainian Adventist Center of Higher Education (UACHE) in Butscha habe nur geringe Schäden erlitten und sei ebenfalls geschlossen. Studierende und Mitarbeitende seien rechtzeitig evakuiert worden. Ein Teil von ihnen ist auf dem Campus der adventistischen Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg untergebracht.

Nothilfe und Evakuierungen

Die adventistische Kirche sei damit beschäftigt, sowohl ihren Mitgliedern als auch der Gesellschaft zu dienen. „Pastoren und Leiter helfen bei der Evakuierung von Menschen aus den Kampfgebieten“, berichtet Nosov. „Sie stellen Unterkünfte, Medikamente, Lebensmittel, Informationen zur Verfügung und beten für sie.“ (Siehe auch die APD-Meldung https://www.apd.info/2022/04/14/adventistische-kirche-in-der-ukraine-organisiert-evakuierungen/)

Neue Dienstroutine für Pastoren

80 Prozent der adventistischen Pastoren seien noch im Land. Krupskyi beschrieb die neue Dienstroutine der adventistischen Pastoren: „Unsere Partner und Freunde liefern Hilfsgüter in die westlichen Regionen des Landes. Von dort aus bringen die Pastoren die Hilfsgüter in kleinen Autokonvois in die umkämpften Gebiete und evakuieren die Menschen auf dem Rückweg aus diesen Gebieten.“

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen Hope Media Ukraine und dem Büro der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe (ADRA) in Rumänien erhalten die Binnenvertriebenen außerdem Hygieneartikel, Lebensmittel, Wasser, Kleidung und Medikamente.

Menschen fragen nach Gott

„In der Dunkelheit von Tod und Zerstörung suchen die Menschen Gott“, sagte Nosov. „Sie fragen nicht, warum Gott diesen Krieg zulässt, sondern suchen die Verbindung zu ihm.“ Überraschenderweise nimmt die Zahl der Kirchenbesucher zu. „Es sind jetzt mehr Menschen in unseren Kirchen als früher. Die Kirchengemeinden, deren Gebäude nicht beschädigt oder zerstört wurden, arbeiten normal weiter und bieten Gottesdienste für eine wachsende Zahl an Menschen an.“

„Hope Channel Ukraine, das adventistische Fernsehen, sendet von Montag bis Freitag um 11:00 und 18:00 Uhr, am Samstag um 11:00 Uhr und am Sonntag um 18:00 Uhr und macht trotz der Herausforderungen weiter“, so Krupskyi. (Siehe auch APD-Meldung https://www.apd.info/2022/04/01/ukraine-menschen-suchen-schutz-und-hoffnung-in-kirchen/)

Trotz allem Grund zur Hoffnung

„Wir wissen nicht, was als nächstes passieren wird. Alles liegt in Gottes Hand. Aber wir wissen, dass seine Hände uns gesegnet haben, und das gibt uns Grund zur Hoffnung“, so Kirchenleiter Stanislav Nosov. Er danke Gott für dessen Barmherzigkeit inmitten der Tragödie.




30 Jahre adventistische Kirche in Albanien

Sali Berisha, ein ehemaliger albanischer Präsident und Premierminister, schickte ein Glückwunschvideo. In seiner Botschaft drückte Berisha seine Wertschätzung für die adventistische Kirche aus und erinnerte an ihre große Arbeit zur Unterstützung der Menschen in Albanien. „Tausenden von Albanern wurde von der Adventistischen Kirche und der Adventistischen Entwicklungs- und Hilfsorganisation [ADRA] geholfen.“ Berisha, der während seiner Amtszeit die Entstehung der adventistischen Kirche in Albanien miterlebte, fuhr fort: „Adventisten sind wie der barmherzige Samariter im Evangelium“, sie seien immer bereit zu retten und zu helfen. Schließlich erinnerte Berisha daran, wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter, ein guter Freund von ihm, ihn immer wieder um Hilfe und Unterstützung für die Mission der Adventisten in Albanien bat. „Jimmy Carter hat Albanien in den 1990er- Jahren zwei Mal besucht. Bei diesen Gelegenheiten, aber auch in Briefen, die ich aufbewahrt habe, bat er mich, die Adventisten im Blick zu behalten“, sagte Berisha.

Präsident Berisha und die Religionsfreiheit

Berisha war von 1992 bis 1997 der zweite Präsident Albaniens und von 2005 bis 2013 Premierminister. Im Jahr 2012 wurde er von der Religious Liberty Association für das herausragende und vorbildliche Niveau der Religionsfreiheit und der friedlichen Koexistenz zwischen den Religionen in Albanien gelobt. Im selben Jahr überreichte Bertil Wiklander, der damalige Präsident der adventistischen teilkontinentalen Kirchenleitung für Nord- und Osteuropa (Transeuropäische Division), Berisha eine Plakette in Anerkennung seines Beitrags zur Religionsfreiheit und zur Förderung humanitärer Werte für das albanische Volk.

Geschichte der adventistischen Kirche in Albanien

Die Anfänge des adventistischen Glaubens in Albanien reichen fast 100 Jahre zurück. Daniel Lewis, ein Apotheker aus Boston, Massachusetts (USA), kehrte in den 1930er- Jahren in seine Heimat Albanien zurück, um dort das Evangelium zu verkündigen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Errichtung eines einer repressiven kommunistischen Diktatur wurde Lewis wegen seiner religiösen Überzeugungen inhaftiert und gefoltert und starb im Gefängnis. Einzelne Personen hielten im Laufe der Jahrzehnte bis zur offiziellen Kirchengründung 1992 am adventistischen Glauben fest. Derzeit gibt es in Albanien fünf adventistische Kirchengemeinden mit etwa 470 erwachsen getauften Mitgliedern.

Weitere Informationen: www.adventist.al