„Verachtet Verhandlungen nicht“

Hannover | 1. November 2022 | APD |

In ihrer Predigt am Reformationstag am 31. Oktober ermutigte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus, dazu, der Kraft des Wortes im Ukrainekrieg mehr zuzutrauen und Wege zur Deeskalation zu suchen.

„Die Alternative zum gerechten Frieden darf doch nicht endloser Krieg sein. Niemals darf Krieg die Politik ersetzen“, so die Ratsvorsitzende am Ursprungsort der Reformation, der Wittenberger Schlosskirche. „Darum: Verachtet Verhandlungen nicht. Glaubt an die Kraft des geistesgegenwärtigen Wortes. Traut den kleinsten Schritten etwas zu.“

Kurschus sprach über das Bibelwort in Psalm 46, nach dem Luther sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ dichtete. „Der Psalm von der festen Burg ist ein Text aus dem Gesangbuch Israels, von Kriegserlebnissen und Kriegserinnerungen durchtränkt.“ Er sei ein Gebet von Bedrängten und für Bedrängte, die „Opfer eines zerstörerischen Angriffs einer feindlichen Großmacht“ seien. Die Perspektive des Psalms, so Kurschus, sei das Schweigen der Waffen: „Gott macht den ewigen Kreisläufen der militärischen Aktionen ein Ende und schafft Ruhe. Ein für alle Mal – das ist die Hoffnung“.

Frieden könne letztlich nur durch das Wort, durch Verhandlungen entstehen, gerade wenn er ein gerechter Friede sein solle. Solche Friedensverhandlungen seien derzeit in weiter Ferne. Umso nötiger seien Gespräche, die auf einen Waffenstillstand zielten. „Gott befreit uns davon, perfekte Gerechtigkeit schaffen zu wollen. Wir können’s auch gar nicht. Er befreit uns aber dazu mit dem Suchen anzufangen im Wissen, dass nur Gott selbst sie vollenden kann. Und der erste Schritt ist: Die Waffen müssen schweigen“, so Kurschus in ihrer Predigt am Reformationstag.

Christinnen und Christen ruft die EKD-Ratsvorsitzende zum Gebet auf. „Betet um Frieden – um den Frieden, der durch menschliche Vernunft werden kann, und um den Frieden, der höher ist als all unsere Vernunft.“

Reformationstag

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther. Mit seiner Kritik an der Kirche seiner Zeit hat Luther Veränderungen angestoßen, die später zum Entstehen der evangelischen Kirche führten. Der Reformationstag ist in neun Bundesländern ein Feiertag. In den evangelischen Kirchen wird mit Gottesdiensten der Ereignisse am 31. Oktober 1517 gedacht.