Adventistischer Pastor aus Oberfranken setzt sich für Verständigung zwischen Russen und Ukrainern ein

Pastor Yurii Zakhvataiev in der Bamberger Altstadt.

Foto: © Yurii Zakhvataiev

Adventistischer Pastor aus Oberfranken setzt sich für Verständigung zwischen Russen und Ukrainern ein

Zwei Coburger Zeitungen berichteten am 10. November über den örtlichen adventistischen Pastor Yurii Zakhvataiev wegen seines Engagements für die Verständigung zwischen Russen und Ukrainern. Anlass war das interreligiöse Friedensgebet am 12. November in der Coburger Moritzkirche, das von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und dem Bündnis „Coburg ist bunt“ ausgerichtet wurde. Die adventistische Kirchengemeinde in Coburg nahm als Gast am Friedensgebet teil.

Coburg/Bamberg (Oberfranken) | APD

Streit in der eigenen Familie

Yurii Zakhvataiev betreut als Pastor die adventistischen Kirchengemeinden in Coburg, Neustadt bei Coburg, Bamberg und Sonneberg (Thüringen). Der Krieg in der Ukraine berührt ihn als geborenen Russen, der in der Ukraine aufgewachsen ist, auch in seiner Arbeit als Geistlicher, so die Coburger Neue Presse in dem Artikel „Ich bete, dass wir diese Zeit überwinden“. Yurii Zakhvataiev möchte den Austausch zwischen den Menschen in seiner Gemeinde fördern. Besonders wichtig ist ihm dabei die Förderung von Diskussionen auf einer offenen und toleranten Grundlage, die keine Propaganda beinhalten und bei denen jeder bereit ist, die Perspektiven der anderen zu verstehen. Dass seine in Russland lebenden Eltern kremltreu bleiben, setze Zakhvataiev schwer zu, so das Neue Presse. Er wisse natürlich, woher das komme: Sowjetische Prägung, „der Westen will uns erobern, der Westen ist böse“, dann die Nachrichten, staatlich gesteuert. „Als Senioren schauen sie natürlich viel Fernsehen. Das ist ihre einzige Informationsquelle.“ In der Welt seiner Eltern gehört die Ukraine zu Russland und muss deswegen zurückerobert werden. „Wenn ich etwas dagegen sage, dann passt das nicht in ihr Bild“, so Zakhvataiev gegenüber der Zeitung.

In seiner Gemeinde habe er den Mitgliedern, zu denen auch russische wie ukrainische gehören, „verboten“, über Politik zu sprechen. Hoffnung macht Zakhvataiev, dass die Unterschiede offenbar keine Rolle spielen, wenn es darum geht, Menschen zu helfen, die wirklich in Not sind. Zakhvataiev setzt sich dafür ein, dass sich die Menschen in seiner Gemeinde weiterhin aktiv am Austausch beteiligen und Toleranz und Verständnis füreinander aufbauen. Für seine eigene Familie bleibe ihm nur abzuwarten und zu beten, so Zakhvataiev in der Neuen Presse.

Gemeinsames Engagement für ukrainische Flüchtlinge

Was tut er aber, wenn Menschen in seiner Gemeinde, weil sie eben Ukrainer oder Russen sind, sich gegenüberstehen und kein Verständnis haben?, fragte das Coburger Tageblatt im Artikel „Bis wir reif für Toleranz sind“, der ebenfalls am 10. November erschien. Seine Antwort: „Wenn es in dem Moment zu schmerzhaft ist, über ein Thema zu sprechen, dann müssen wir es ruhen lassen. Und warten, bis wir wieder reif sind, offen zu reden und die Toleranz zu zeigen, die es braucht.“ Auch gegenüber dem Coburger Tageblatt weist er auf das gemeinsame Engagement für ukrainische Flüchtlinge hin: „Da sind alle dabei, Russen, Deutsche.“ Als Geistlichem bleibe ihm ansonsten nur der Versuch, den Menschen klarzumachen, dass sie auf eine bestimmte Weise zusammengehörten. „Wir müssen immer verstehen, dass wir vor allen Dingen eine christliche Gemeinde sind. Und dass wir nicht allein stehen. Deshalb suche ich auch immer den Kontakt zu anderen christlichen Gemeinden außerhalb meiner Kirche“, so Zakhvataiev gegenüber dem Coburger Tageblatt.

Weihnachtsbotschaft im Coburger Tageblatt

Am 15. November publizierte das Coburger Tageblatt eine Botschaft von Pastor Yurii Zakhvataiev an die Menschen in der Ukraine, die in einem langen und harten Winter ausharren müssen (auf Deutsch und Ukrainisch). Sie ist eine Reaktion auf eine E-Mail einer Schulleiterin aus der ukrainischen Stadt Fedoriwka an eine Tschernobyl-Kinderhilfsorganisation in Coburg, in der sie ihre Sehnsucht nach Frieden ausdrückt. In Zakhvataievs Botschaft heißt es u.a.: „Trotz allen Ängsten steht vor uns der Winter mit einem Fest, das alle feiern werden. Auf uns wartet Weihnachten. Die Geburt des Erlösers … bestätigt die Tatsache, dass der Winter nicht für immer da ist, dass Hass und Tod nicht ewig herrschen werden, dass die Welt nicht denen gehört, die sie durch Krieg und Gewalt erobern, sondern denen, die auf der Seite des Lichts, der Gerechtigkeit und des Glaubens stehen. Vor uns steht eine kalte Zeit, aber nach dieser Zeit kommt der Frühling …“

„Begeistert von Bamberg“

Yurii Zakhvataiev ist auch Autor des kleinen, zweibändigen geistlichen Stadtführers „Begeistert von Bamberg“.  Dieser ist nicht im Buchhandel erhältlich, sondern wird nur den Teilnehmenden einer von Zakhvataiev geleiteten Stadtführung ausgehändigt. Darin vermittelt der Pastor die geistlichen Impulse, die in den Sehenswürdigkeiten der Stadt enthalten sind. In einem Schaukasten in der Bamberger Altstadt werden zudem regelmäßig geistliche Texte des Pastors ausgehängt. Interessenten an solchen geistlichen Stadtführungen können sich über www.instagram.com/pastor_in_bamberg/ melden.