Medizinisches Zentrum der Loma Linda Universität (USA) stellt vielversprechende Alzheimer-Behandlung vor

Universitätsklinikum Loma Linda in Kalifornien, USA

Foto: © Carl Canwell / AME (CC BY 4.0)

Medizinisches Zentrum der Loma Linda Universität (USA) stellt vielversprechende Alzheimer-Behandlung vor

Mitte letzten Jahres wurde in den USA das Medikament Lecanemab von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Die in Kalifornien angesiedelte adventistische Loma Linda Universität stellt nun durch ihren Gesundheitszweig (Loma Linda University Health) die Behandlung mit der als Leqembi vertriebenen Arznei vor. Das Mittel soll das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen, indem es die aus dem Protein Amyloid-beta bestehenden Ablagerungen im Gehirn angreift. Es wird angenommen, dass diese sogenannten Plaques eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit spielen. Ihre Verringerung kann dazu beitragen, die kognitiven Funktionen länger aufrechtzuerhalten.

News | Loma Linda, Kalifornien/USA | APD

Wie Lecanemab wirkt

Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff, der explizit an Amyloid-beta bindet. Indem Lecanemab auf Vorstufen dieser Plaques abzielt und ihre Beseitigung fördert, trägt es dazu bei, den mit der Alzheimer-Krankheit verbundenen Rückgang der kognitiven Funktionen zu verlangsamen. Dieser Wirkmechanismus bietet einen neuen Ansatz für die Behandlung der Erkrankung. Er zielt darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu erhalten.

Lecanemab wird in Form einer Reihe von intravenösen Infusionen alle zwei Wochen verabreicht, die jeweils etwa eine Stunde dauern. Dieser regelmäßige Zeitplan trage laut einer Pressemeldung von Loma Linda University Health dazu bei, die kognitiven Funktionen über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten und den therapeutischen Nutzen des Medikaments zu bewahren.

Voraussetzungen für eine Lecanemab-Behandlung

Für eine Lecanemab-Behandlung kommen Patienten in Frage, bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder ein frühes Stadium der Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wurde. Um festzustellen, ob sie für eine Behandlung in Frage kommen, führt das neurologische Team eine gründliche Untersuchung durch, die eine ausführliche Anamnese, kognitive Beurteilungen und moderne Bildgebung zur Bestätigung des Vorhandenseins von Amyloid-Plaques einschließt.

„Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Patienten Lecanemab zur Verfügung stellen können“, sagte Dr. Carmel Armon, Co-Direktor der Early Alzheimer's Intervention Clinic (Klinik zur Früherkennung der Alzheimer-Krankheit). „Dieses Medikament stellt eine neue Ära in der Alzheimer-Behandlung dar und gibt uns die Möglichkeit, das Fortschreiten dieser schwierigen Krankheit zu verlangsamen. Unser Team ist bestrebt, die neuesten und wirksamsten Therapien anzubieten, um die Lebensqualität unserer Patienten und ihrer Familien zu verbessern.“

Zulassung von Lecanemab in Europa

In Europa ist Lecanemab noch nicht zugelassen. Auf Nachfrage von APD erläuterte Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in Düsseldorf, dass im Laufe des Jahres mit einer Entscheidung der dafür zuständigen Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zu rechnen sei. Die Effekte einer Phase-3-Studie mit 1.795 Probandinnen und Probanden seien eher moderat einzustufen. Der Krankheitsverlauf wurde um 27 Prozent verzögert. Bei 17 Prozent der Probandinnen und Probanden sei es zu Hirnschwellungen gekommen, die aber in den meisten Fällen symptomlos verliefen. Allerdings müssten die Hirnschwellungen engmaschig kontrolliert werden, damit es nicht zu gefährlichen Komplikationen wie einer Hirnblutung komme. Daher verzögere sich die Zulassung durch die EMA wohl noch etwas. Die Kosten von dem von den Pharmaunternehmen Biogen (USA) und Eisai (Japan) gemeinsam entwickelten humanisierten monoklonalen Antikörper betragen pro Jahr etwa 30.000 Euro.

Loma Linda University Health

Die Loma Linda University Health ist ein akademisches medizinisches Zentrum mit sechs Krankenhäusern, einer Arztpraxisgesellschaft, mehreren Kliniken im Westen der Vereinigten Staaten und angeschlossenen Organisationen in aller Welt. Diese medizinischen Dienste interagieren mit den acht Fakultäten, die ihre auf das Gesundheitswesen ausgerichtete Universität bilden.

Die Loma Linda Universität ist eine Einrichtung der Freikirche Siebenten-Tags-Adventisten mit mehr als 4.400 Studenten in Südkalifornien. Der Campus liegt in der Stadt Loma Linda im Landkreis San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien, USA. Mit fast 9.000 Mitgliedern hat Loma Linda eine der größten Kirchengemeinden der Siebenten-Tags-Adventisten weltweit. Die Bewohner leben hier im Durchschnitt ungewöhnlich lange und sind bis ins hohe Alter erstaunlich gesund. Die Stadt gilt damit als eine sogenannte „Blaue Zone“.

In den sechs Krankenhäusern auf dem Campus erhalten die Studierenden eine praxisnahe Ausbildung. Über 100 Studiengänge werden von den Fachbereichen Allied Health Professions, Behavioral Health, Dentistry, Medicine, Nursing, Pharmacy, Public Health und Religion angeboten. Als einziges medizinisches Zentrum im südlichen Kalifornien, das diese Therapie mit Lecanemab anbietet, leistet die neurologische Abteilung der Loma Linda University Health in der Region Pionierarbeit in der Alzheimer-Behandlung.