„Sitzen ist das neue Rauchen“

Ein sitzender Lebensstil hat alarmierende Folgen.

© Foto: Lanh Bondol – unsplash.com

„Sitzen ist das neue Rauchen“

In der Juni-Ausgabe von Adventist World machen die Leiter der Gesundheitsabteilung der weltweiten Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Peter Landless und Zeno Charles-Marcel, auf die schädlichen Auswirkungen eines sitzenden Lebensstils aufmerksam.

News | Lüneburg | APD

„Sitzen ist das neue Rauchen“

Mit vielen anderen Gesundheitsexperten rufen der Nuklearkardiologe Dr. Peter N. Landless und der Lebensstil-Mediziner Dr. Zeno L. Charles-Marcel dazu auf, die Arbeitsbedingungen angesichts der nachgewiesenen Risiken und Gefahren langen Sitzens neu zu bewerten. Menschen seien immer mehr an den Schreibtisch gefesselt und von der Technik abhängig. In den letzten Jahren sei der Satz „Sitzen ist das neue Rauchen“ in Gesundheits- und Wellnesskreisen immer häufiger verwendet worden. Diese einprägsame Formulierung betone die alarmierenden Folgen eines sitzenden Lebensstils. Wie die Gefahren des Rauchens viele Jahre lang geleugnet und vertuscht wurden, so sei es auch mit der fehlenden Bewegung durch lange sitzende Tätigkeiten.

Der Vergleich mit dem Rauchen sei dramatisch, diene aber als eindringlicher Weckruf. So wie das Rauchen früher als akzeptable und harmlose Gewohnheit galt, sei das Sitzen zu einem Teil unseres Lebens geworden, insbesondere in Büroberufen. Es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass übermäßiges Sitzen zu zahlreichen Gesundheitsproblemen beitragen könne.

Auswirkungen auf Herz und Kreislauf

Die Forschung habe gezeigt, dass langes Sitzen die kardiovaskuläre Gesundheit durch schlechte Blutzirkulation und ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten beeinträchtigen kann. Eine sitzende Lebensweise würde die Ansammlung von Plaque in den Arterien, einen erhöhten Blutdruck und erhöhte Cholesterin- Werte fördern. Mit der Zeit könnten sich diese Veränderungen in Form von Herzinfarkten oder Schlaganfällen äußern.

Studien hätten nach Auskunft der beiden Mediziner außerdem gezeigt, dass Menschen, die mehr als acht Stunden am Tag sitzen, insbesondere ohne regelmäßige Bewegungspausen, ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme haben als Menschen, die einen aktiveren Lebensstil pflegen. Die sitzende Lebensweise werde mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung gebracht, was die Belastung für den Körper noch weiter erhöhe. Die Gesundheit des Stütz- und Bewegungsapparates werde durch langes Sitzen ebenfalls beeinträchtigt. Stundenlanges Sitzen könne zu einer schlechten Körperhaltung, Rückenschmerzen und Steifheit führen. Der Bewegungsmangel belaste die Wirbelsäule übermäßig und führe zu einer Schwächung der Rumpfmuskulatur.

Auswirkungen für Seele und Geist

Auch die geistige Gesundheit und das emotionale Wohlbefinden würden durch eine sitzende Lebensweise negativ beeinflusst. Körperliche Aktivität setze Endorphine frei, die natürlichen Stimmungsaufheller des Körpers. Wenn Menschen längere Zeit sitzen, entgehe ihnen diese wichtige stimmungsaufhellende Wirkung. Folglich wird eine sitzende Lebensweise mit einem erhöhten Risiko für Depressionen und Angstzustände in Verbindung gebracht.

Veränderungen im Arbeitsablauf gefordert

Das wachsende Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen langen Sitzens fordere uns auf, zu überdenken, wie wir arbeiten oder lernen und notwendige Änderungen vorzunehmen. Projekte, die Stehpulte, Besprechungen im Gehen und regelmäßige Pausen fördern, werden immer beliebter. Durch das Einbauen von körperlicher Aktivität in den Tagesablauf, zum Beispiel durch kurze Spaziergänge, Dehnungsübungen oder das Umsteigen aufs Fahrrad, können die schädlichen Auswirkungen langen Sitzens gemildert werden. Letztlich dient die Botschaft „Sitzen ist das neue Rauchen“ als Warnung, dass scheinbar harmlose Gewohnheiten tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben können. „Wir müssen uns bewusst bewegen und unsere Muskeln dehnen, um unser körperliches und seelisches Wohlbefinden zu bewahren, selbst wenn wir am Schreibtisch arbeiten und/oder an vielen langen Sitzungen und Ausschüssen teilnehmen“, so die beiden Fachärzte. Wenn wir das tun, würden wir gesünder und produktiver leben und auch bessere Entscheidungen treffen!

Gesundheitsabteilung der Adventisten

Die Gesundheitsabteilung der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten hat sich zur Aufgabe gemacht, Kirchen, Mitglieder und Institutionen der Adventisten auf der ganzen Welt zu unterstützen und zu befähigen, die Segnungen ganzheitlicher Gesundheit zu erfahren und diese Segnungen gleichzeitig aktiv mit anderen zu teilen. Seit über 150 Jahren unterstützt sie die Gesundheit des ganzen Menschen auf vielfältige Weise, darunter Gesundheitspublikationen, Lebensstilerziehung, die Einrichtung von Krankenhäusern, Kliniken und Sanatorien auf der ganzen Welt, die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften und Laienmitgliedern, kirchenbasierte Gesundheitsinitiativen in der Gemeinde, medizinische Missionen und mehr.

Weltweit betreiben die Adventisten 230 Krankenhäuser und Sanatorien, 116 Pflege- und Seniorenheime, 1.906 Kliniken und Ambulanzen und 128 Zahnkliniken. In Deutschland betreiben sie das Gesundheitsnetzwerk Waldfriede mit einem angeschlossenen Krankenhaus in Berlin und den bereits 1899 gegründeten Deutschen Verein für Gesundheitspflege e.V. mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart.

Internationale Zeitschrift Adventist World

Adventist World ist eine international und monatlich erscheinende Zeitschrift der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Sie wird in 11 Sprachen herausgegeben und in Korea, Brasilien, Indonesien, Australien, Deutschland, Österreich, Argentinien, Mexiko, Südafrika und den USA gedruckt. In Deutschland erscheint sie in einer gemeinsamen Drucksache mit der deutschen Kirchenzeitschrift Adventisten heute beim Advent-Verlag, Lüneburg.

Zum Artikel in der Juni-Ausgabe von Adventist World auf Seite 27:

https://advent-verlag.de/media/pdf/bf/c7/09/AW_2024_06.pdf.