Der ökumenische Gottesdienst fand in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Ursprünglich sollte er in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale abgehalten werden, diese stand aber wegen eines „technischen Defekts“ kurzfristig nicht zur Verfügung, wie die Pressestelle der ACK mitteilte.
Die Unterzeichnung knüpft an eine mehr als zwanzigjährige Geschichte an: Bereits 2003 hatten 16 Mitgliedskirchen der ACK die Charta Oecumenica beim Ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die nun revidierte Fassung wurde auf der europäischen Ebene im vergangenen November in Rom unterzeichnet. Sie nimmt neue Herausforderungen in Europa in den Blick und setzt zusätzliche Schwerpunkte unter anderem bei Frieden, Migration, neuen Technologien und der Rolle junger Menschen. Im Zentrum stünden weiterhin die Selbstverpflichtungen der Kirchen, so die ACK in einer Pressemitteilung.
Fahrplan für gemeinsames Handeln
Für Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, ist die heutige Unterzeichnung deshalb ein neuer Anfang. „Wir schauen inzwischen auf beinahe ein Jahr intensiver Erfahrung und Arbeit mit der revidierten Charta Oecumenica zurück. Dabei hat sich für mich bestätigt, dass die Charta Vision und Handlungsempfehlung zugleich ist. Ihre Selbstverpflichtungen geben uns eine wichtige Orientierung für unser gemeinsames Zeugnis und Handeln“, sagt Easthill. „Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument, sondern ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft“
„Mit der heutigen Unterzeichnung beginnt nun die nächste entscheidende Phase: die breite Rezeption in Deutschland“, so Easthill weiter. „Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung und – vor allem – kommen Sie darüber ins Gespräch. Denn Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.“
Bedford-Strohm: Trennung der Kirchen darf nicht „Normalfall“ sein
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, richtete in seiner Predigt einen eindringlichen Appell an die Kirchen. Die „noch immer existierende Trennung der Kirchen“ dürfe nicht als Normalfall angesehen werden, sondern sei „ein Scheitern an dem Auftrag Jesu“. Bedford-Strohm stellte zugleich die Frage: „Sind unsere konfessionellen Traditionen [...] selbst zur Hauptsache geworden?“
Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hob Bedford-Strohm zudem die klare Haltung der revidierten Charta Oecumenica gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums hervor: „Es ist ein starkes Zeichen, wenn die Kirchen Europas in großer Einmütigkeit den Missbrauch des Christentums für Zwecke, die ihm zutiefst entgegenstehen, verurteilen. Die Charta verpflichtet die Kirchen dazu, ‚allen Versuchen zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke zu missbrauchen.‘“ In diesem Sinne sei es sehr passend, dass die Unterzeichnung der revidierten Charta Oecumenica am Internationalen Tag der Demokratie begangen wird, heißt es in der Pressemitteilung.
Den Text der revidierten Fassung der Charta Oecumenica gibt es unter www.oekumene-ack.de/themen-materialien/charta-oecumenica/ Dort sind auch weitere Materialien dazu und ein Vergleich der ursprüngliches Fassung von 2003 und der revidierten Fassung zu finden.
Haltung der Adventisten zur Charta Oecumenica
Alle damaligen ACK-Gastmitglieder haben 2003 die Charta Oecumenica aus unterschiedlichen Gründen nicht unterzeichnet. Dazu gehörte auch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Deren Leitung erklärte im März 2003 in einer Stellungnahme zur Charta: „Als Siebenten-Tags-Adventisten können wir der Charta Oecumenica zustimmen, wenn Grundwerte wie Gerechtigkeit, Frieden, Religions- und Gewissensfreiheit, Gleichheit, Versöhnung, Toleranz, Gewaltlosigkeit, Menschenwürde, Natur- und Umweltschutz, Gleichberechtigung von Frauen, Schutz von Ehe und Familie, und Hilfe für die Armen der Welt gefordert werden. Auch der Ruf nach einem verantwortlichen Lebensstil, der Ablehnung des Antisemitismus und einem fairen Umgang mit Muslimen und Vertretern anderer Religionen bzw. Weltanschauungen findet unsere Unterstützung. Hier können auch Adventisten sagen: ‚Wir verpflichten uns!‘“
Allerdings strebten Adventisten nicht nach einem irdischen Reich, einem politisch und christlich-religiös geeinten Europa. Denn schnell könne sich ein solches Europa wieder von diesen Grundwerten abwenden. Eine Politisierung des Evangeliums wäre zudem eine Verfremdung des Wortes Gottes, „die wir nicht bejahen können. Unsere Hoffnung ist vielmehr auf das ewige Reich Gottes gerichtet, das am Tag der Parusie [Wiederkunft] Christi anbrechen wird. Diesem Christus allein fühlen wir uns verpflichtet“, heißt es in der adventistischen Stellungnahme von 2003, die auch im Hinblick auf die revidierte Fassung vertreten wird. Zudem sehen Adventisten die in der Charta vertretene Auffassung von der sichtbaren Gemeinschaft aller Christen in der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ kritisch. Gemeinsame Aktivitäten sollten die konfessionelle Identität der jeweiligen Kirchen wahren. Dies sei insbesondere in den Bereichen Bibelverbreitung, Religionsfreiheit, Medien- und Sozialarbeit möglich, heißt es in einer ergänzenden Stellungnahme der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung für Mittel- und Südeuropa (die heutige Intereuropäische Division) von 2003.
ACK in Deutschland
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) wurde am 10. März 1948 gegründet. Derzeit gehören ihr 21 Kirchen unterschiedlicher Traditionen an, weitere vier Kirchen sind Gastmitglieder, darunter die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, und fünf ökumenische Organisationen haben Beobachterstatus. Seit März 2025 ist der anglikanische Priester aus Wiesbaden, Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK. Die Geschäftsstelle der ACK in Deutschland, die „Ökumenische Centrale“, hat ihren Sitz in Frankfurt am Main: www.oekumene-ack.de.



