1876 wurden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) die ersten beiden adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) auf deutschem Boden gegründet. Deshalb feiert die Freikirche in Deutschland unter dem Motto „Mut für morgen“ in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen (siehe APD-Meldung vom 27. Januar 2026).
ADRA wurde ins Leben gerufen, weil sich die Erkenntnis durchsetzte, dass „Hilfe zur Selbsthilfe“ neben der „Nothilfe“ wichtig ist. Tätigkeitsfelder von ADRA umfassen beispielsweise Wiederaufbau nach Katastrophen, Gesundheit, Bildung/Erziehung, Wasser und Nahrung, Einkommenssicherung sowie Natur- und Umwelt.
1985 wurde von der teilkontinentalen adventistischen Kirchenleitung für Mittel- und Südeuropa sowie einige Länder Afrikas (die damalige Euro-Afrika-Division) beschlossen, dass ADRA auch in ihrem Zuständigkeitsbereich eingeführt wird. Im Januar 1986 übernahm Erich Lischek die Leitung der Abteilung in Deutschland und absolvierte ein dreimonatiges Praktikum bei ADRA International. Das erste Büro von ADRA in Deutschland befand in Darmstadt-Eberstadt.
Eine rasante Entwicklung in Deutschland
Am 8. Dezember 1986 wurde „ADRA-Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe e. V.“ von den Landeskörperschaften der Freikirche gegründet und 1987 im Vereinsregister in Darmstadt eingetragen. Vom Finanzamt Darmstadt wurde der Verein als „gemeinnützig und mildtätig“ anerkannt. Der erste Vorsitzende war Bruno Liske, als geschäftsführendes Vorstandsmitglied wurde Erich Lischek berufen. Die Personalkosten für den Leiter und seine Assistentin wurden zunächst von der Euro-Afrika-Division übernommen. Unter Lischeks Leitung entwickelte sich ADRA Deutschland rasant.
Der erste direkte Hilfseinsatz von ADRA Deutschland war die Erdbebenhilfe in Armenien 1986. Neben der Lieferung von Kleidung, Nahrungsmitteln und medizinischen Geräten und Medikamenten war das erste Rehabilitationsprojekt das Kinderkrankenhaus in Eriwan.
Das erste Entwicklungsprogramm war der Ausbau des Sheer Memorial Krankenhauses in Banepa (Nepal). Weitere Projekte wurden von der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE) mitfinanziert.
1987 wurde Erich Lischek in den „Bensheimer Kreis“ der Leiter der Entwicklungspolitischen NGOs (nichtstaatliche Organisationen) aufgenommen. Ein Jahr später wurde ADRA Deutschland Mitglied bei Euron-Aid, dem Partner der Europäischen Union für Nahrungsmittelhilfe.
1989 wurde ADRA Mitglied im „Arbeitsstab humanitäre Hilfe“ des Auswärtigen Amtes. Damit wird ADRA auch zu Anhörungen des Ausschusses für humanitäre Hilfe und Menschenrechte des deutschen Bundestages geladen.
Im selben Jahr wurde die Aktion „Kinder helfen Kindern“, die durch Anregung von Erich Lischek in der adventistischen Kirchengemeinde (Adventgemeinde) Darmstadt-Marienhöhe begonnen hatte, zum festen Bestandteil der Aktivitäten in vielen Adventgemeinden Deutschlands, der Schweiz, Österreichs, Englands, Belgiens und Luxemburgs.
1991 zog die Verwaltung von ADRA Deutschland von Darmstadt-Eberstadt nach Weiterstadt um. Das Gebäude bot Lagermöglichkeiten für Hilfsgüter und Büroräume für die damals zwölf Mitarbeiter.
1995 war ADRA Deutschland Gründungsmitglied des Verbandes Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und arbeitet in dessen verschiedenen Arbeitskreisen aktiv mit.
1997 wurde ADRA anerkannter Träger der „Anderen Dienste im Ausland“. Damit wurde der Einsatz von Freiwilligen auch als Ersatz- bzw. Zivildienst anerkannt. Der Freiwillige Adventistische Hilfsdienst (FAH) wurde 2004 von ADRA übernommen. Dadurch hat ADRA Anspruch auf Zuschüsse für die Entsendung von Freiwilligen aus dem Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
1999 benötigte ADRA Deutschland mehr Büros für die wachsende Zahl an Angestellten. Der Erwerb des Nachbargrundstückes in der Robert-Bosch-Straße in Weiterstadt wurde durch ein Darlehen eines Ehepaares möglich, zu dem Erich Lischek persönliche Verbindung hatte. Dieses Darlehen wird jährlich in Spenden umgewandelt.
Wachstum und zunehmende Vernetzung ab den 2000er-Jahren
2000 erfolgte die Gründung des ersten ADRA-Shops in Weiterstadt. Diese Second-Hand-Läden waren eine Reaktion auf die Sammelleidenschaft und Versandbereitschaft der Helferkreise des Advent-Wohlfahrtswerkes. Die hohen Transportkosten von gebrauchten Kleidern in die Länder Osteuropas und sogar Afrikas waren nicht mehr zu vertreten. Mit dem Erlös des Kleidungsverkaufs können Projekte finanziell unterstützt werden. Derzeit gibt es sechs ADRA-Shops: neben Weiterstadt auch in Bergisch Gladbach, Lüdenscheid, Köthen, Nürnberg und Darmstadt-Eberstadt sowie einen Online-Shop.
Am 21. Januar 2001 wurde die ADRA-Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe gegründet. Das Kapital wurde von privaten Spendern und unserer Freikirche in Deutschland eingelegt. Der überwiegende Teil des Geldes wurde in den Erwerb des größeren Grundstückes mit Büroräumen und Lagern in der Robert-Bosch-Straße 10 eingesetzt. Der Verein ADRA Deutschland e. V. muss Miete an die ADRA-Stiftung zahlen. Die Erträge der ADRA-Stiftung gehen dann wieder an den Verein zur Förderung von Projekten und Programmen zurück.
Am 6. März 2001 erfolgte die Gründung der „Aktion Deutschland hilft“, ein Koordinierungsgremium von Hilfsorganisationen. Die Erfahrungen des Umgangs der Medien mit Hilfswerken bei Katastrophen führten Erich Lischek von ADRA, Manuela Roßbach von CARE Deutschland und Heribert Röhrig vom Arbeiter-Samariter-Bund (ebenfalls Mitglieder im Paritätischen Wohlfahrtsverband) zu dieser Idee. In Spendenaufrufen der Medien bei Katastrophen wurden meist nur einzelne große Hilfswerke erwähnt, die dann oft so viele Spenden einnehmen, die sie zuweilen nicht verarbeiten können. In der Regel sind das Hilfswerke, die in Deutschland zwar einen guten Namen haben, jedoch – anders als ADRA –häufig keine direkten Partner in den betroffenen Ländern haben. Der Bosnienkrieg gab dann den Initiatoren den Anlass, die Hilfswerke zu Gesprächen einzuladen und nach Lösungen zu suchen. Das Ergebnis war der Verein „Aktion Deutschland hilft" (ADH). Die drei Initiatoren bildeten den ersten Vorstand. ADH ist zu einem Begriff für Hilfe aus Deutschland geworden.
Die Mitglieder des Vorstandes von ADH brachten die Idee eines „Tages für Afrika" ins Gespräch, um auf vergessene, schleichende Katastrophen aufmerksam zu machen.
Mit fünf weiteren Persönlichkeiten aus den Mitgliedsorganisationen von ADH wurde 2003 der Verein „Gemeinsam für Afrika“ ins Leben gerufen. Neben den persönlichen Mitgliedern sind eine Reihe von angesehene Hilfswerken Mitglied dieses Vereins. Vorsitzender des Vereins ist Christian Molke, derzeitiger Vorstandsvorsitzender von ADRA Deutschland.
2002 wurde ADRA Deutschland Gründungsmitglied von VOICE, des Dachverbandes der Not- und Katastrophenhilfeorganisationen in Europa, und 2003 der europäischen Vereinigung von Nichtregierungs-Hilfsorganisationen CONCORD (als Vertreter des ADRA-Netzwerkes in Europa).
2004 wurde ADRA Europa gegründet. Die Kosten des Büros trägt ADRA Euro-Afrika und ADRA International; die Personalkosten für 1,5 Stellen übernahm ADRA Deutschland fünf Jahre lang, bis die ADRA-Büros in Europa einer Kostenaufteilung zustimmten.
Im selben Jahr beantragte ADRA Deutschland zum ersten Mal das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). ADRA erhielt es seitdem jedes Jahr. Zudem hat sich ADRA Deutschland der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (Transparency International) angeschlossen und ist Mitglied im Deutschen Spendenrat e.V.
2006 wurde der offizielle Name in ADRA Deutschland e. V. geändert. Außerdem wurde ein Kuratorium und die Mitgliedschaft von ehrenamtlichen beratenden Mitgliedern im Vorstand eingerichtet. Seit der Satzungsänderung 2006 hat ADRA direkten Zugang zum Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Zudem engagiert sich ADRA Deutschland bei Engagement Global. Engagement Global wurde als gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) gegründet und dient als zentrale Anlaufstelle für entwicklungspolitisches Engagement in Deutschland. Die Organisation bietet Informationen, Beratung, Weiterbildung und finanzielle Förderung für Einzelpersonen, die Zivilgesellschaft, Schulen, Unternehmen und Kommunen, die sich für eine gerechte globale Entwicklung einsetzen. Sie vernetzt Akteure weltweit und unterstützt Projekte, die nachhaltige Lösungen aber auch Bildung fördern. Engagement Global arbeitet im Auftrag der Bundesregierung und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Derzeitiger Vorsitzender des Kuratoriums von Engagement Global ist Christian Molke, derzeitiger ADRA-Vorstandsvorsitzender. Das 20-köpfige Kuratorium wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung berufen und hat die Aufgabe, die strategische Ausrichtung und fachliche Begleitung der Organisation zu unterstützen. Das Gremium tagt mindestens zweimal jährlich, um die Geschäftsführung bei der Gestaltung und Umsetzung der Programme zu beraten und die Unternehmensentwicklung zu fördern.
Ende 2012 ging Erich Lischek nach 25-jähriger Tätigkeit als ADRA-Geschäftsführer in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Christian Molke, der auch das Amt des Vorstandsvorsitzenden von ADRA Deutschland e.V. bekleidet.
ADRA gGmbH
Aus dem Engagement von ADRA Deutschland e.V. für eine gerechte und nachhaltige Welt ist 2016 die ADRAgGmbH entstanden. Die ADRAgGmbH ist eine gemeinnützige Einrichtung, die im Auftrag von ADRA tätig ist. Unter dem Motto „Gutes Kaufen. Gutes Tun.“ verkauft die gGmbH gespendete Waren für wenig Geld weiter, um Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe von ADRA zu finanzieren.
ADRA soteria gGmbH für Inlandseinsätze
Für Katastrophenschutz im Inland wurde die ADRA soteria gGmbH gegründet, um effektiver und transparenter helfen zu können. Anlass war die Flutkatastrophe von 2021 im Ahrtal und anderen Gebieten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Mit der Gründung der ADRA soteria gGmbH, eine Einrichtung ausschließlich für Einsätze im Inland, sei eine Grundlage für schnelles Reagieren in Zukunft geschaffen worden. ADRA soteria hat beispielsweise maßgeblich den Aufbau von Containerdörfern und die Verteilung von Flutküchen im Ahrtal unterstützt und hat sich beim Wiederaufbau engagiert.
Derzeit hat ADRA Deutschland e. V. 61 Angestellte ist Teil des weltweiten ADRA-Netzwerks, das 1956 gegründet wurde, aus 119 eigenständigen nationalen Büros besteht und weltweit Projekte der Entwicklungszusammenarbeit sowie der humanitären Hilfe in Katastrophenfällen durchführt. „Gerechtigkeit, Mitgefühl, Liebe“ formuliert ADRA als Leitwerte. Die APD-Meldung zum letzten Jahresbericht von ADRA Deutschland erschien am 10. Juli 2026. Website: https://adra.de.
Hinweis: Die historischen Informationen über die Entwicklung von ADRA Deutschland stützen sich auf Angaben von Erich Lischek, dem Geschäftsführer von ADRA Deutschland 1987–2012.



