Wien/Österreich, 24.09.2008/APD   Nach Ablauf der zehnjährigen Frist für eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften bereitet die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich die nächsten Schritte vor, um die volle staatliche Anerkennung zu erlangen.

Der Ende 1989 gestellte Antrag auf Anerkennung beantwortete acht Jahre später, am 11. Juli 1998, das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (BMUK) mit der Zuerkennung der Rechtspersönlichkeit als religiöse Bekenntnisgemeinschaft. Gleichzeitig wurde dieser neu geschaffene Status mit zusätzlichen Kriterien für eine volle staatliche Anerkennung verknüpft. Demnach ist ein neuerlicher Antrag auf Anerkennung erst nach 10 Jahren, also 2008, möglich. Außerdem muss unter anderem eine Mitgliederzahl von mindestens zwei Promille der Bevölkerung vorliegen.

„Adventisten gibt es in Österreich seit über 100 Jahren. Wir denken, dass es längst überfällig ist, dass unsere Kirche auch als solche von der Republik Österreich anerkannt wird“, betonte Pastor Herbert Brugger, Präsident der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich. „Dabei geht es uns um grundsätzliche Fragen der Gewissens- und Religionsfreiheit. Als Christen bekennen wir uns zu den demokratischen Grundsätzen unseres Landes und es ist für uns selbstverständlich, unseren staatsbürgerlichen Pflichten nachzukommen. Deshalb ist eine volle Anerkennung durch den Staat legitim.“ Gerade die willkürliche Festsetzung einer geforderten Mitgliederzahl sei dabei mehr als bedenklich, da sie den Gleichheitsgrundsatz verletze, hob Brugger hervor. Er verwies dabei auf die Tatsache, dass von den 13 bereits gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften sieben die Kriterien der Mitgliederzahlen nicht erfüllten.

Laut dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) vom 31. Juli 2008 widerspricht die österreichische Gesetzgebung in dieser Frage der Europäischen Menschenrechtskonvention. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ vom 1. August 2008 bemerkt dazu Herbert Kalb, Religionsrechtler der Universität Linz: „Viele Bedenken, die schon länger bestanden haben, sind durch dieses Urteil bestätigt worden.“ Die Entscheidung des EGMR sei ein deutliches Signal, „dass das Zentrum des Religionsrechts, nämlich das Anerkennungsrecht, in der Tat problematisch ist“.

Zur Bedeutung der gesetzlichen Anerkennung unterstrich Pastor Brugger: „Wir streben diese Anerkennung an. Wir sehen sie aber in einem größeren Zusammenhang, denn die Anerkennung und Akzeptanz in der Bevölkerung muss durch Fleiß, Ausdauer und gezieltes Eingehen auf die Bedürfnisse der Menschen immer wieder erarbeitet werden. Adventisten wissen sich in ihrem humanitären, sozialen und pädagogischen Engagement dem Vorbild Jesu und den Prinzipien der Heiligen Schrift verpflichtet.“

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist eine evangelische Freikirche, die aus den Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts hervorging. Mit weltweit über 16 Millionen erwachsen getauften Mitgliedern ist sie in 203 Ländern vertreten. In Österreich gibt es über 3.800 Adventisten in 49 Kirchengemeinden. Sie unterhalten das Theologische Seminar und Oberstufen Realgymnasium Schloss Bogenhofen bei Braunau am Inn, insgesamt fünf Grundschulen in Wien, Linz, St. Peter/Hart, Herrnberg und Lustenau, das Altenheim „Haus Stefanie“ auf dem Semmering, den „Wegweiser-Verlag“ in Spillern und das Internationale Bibelstudien-Institut in Wien. Die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Österreich führt humanitäre Maßnahmen in aller Welt durch.

Seit 1998 kennt das österreichische Recht staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften und eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften. Derzeit gibt es 13 anerkannte Religionsgemeinschaften in Österreich: Römisch-katholische Kirche, Evangelische Kirche, Griechische Orthodoxe Kirche, Israelitische Kultusgemeinde, Islamische Glaubensgemeinschaft, Koptische Orthodoxe Kirche, Alt-katholische Kirche, Methodistische Kirche, Mormonen, Armenische Apostolische Kirche, Neuapostolische Kirche, Buddhistische Religionsgemeinschaft und Syrische Orthodoxe Kirche.

Als eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften (RBG) sind derzeit, neben der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, registriert: Bahá’i-Religionsgemeinschaft, Bund der Baptistengemeinden, Bund Evangelikaler Gemeinden, Die Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung in Österreich, Freie Christengemeinde/Pfingstgemeinde, Hinduistische Religionsgesellschaft in Österreich (HRÖ), Jehovas Zeugen, Mennonitische Freikirche Österreich (MFÖ) und Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich.
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