Bayerische Adventisten bestätigen Kirchenvorstand und beschließen gleichberechtigte Segnung zum Pastorenamt

München | 6. Juli 2021 | APD |

Am 4. Juli tagte die Landesversammlung (Synode) der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Bayern als Präsenzveranstaltung in der Konferenzhalle der Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf und bestätigte den bisherigen Vorstand. Engagiert wurde außerdem ein Antrag auf gleichberechtigte Segnung von Pastorinnen und Pastoren diskutiert und mit deutlicher Mehrheit angenommen.

Die aus 110 anwesenden Abgeordneten aus 73 Kirchengemeinden und der Pastorenschaft tagende 21. Landesversammlung hat Pastor Wolfgang Dorn (50) für weitere vier Jahre als Präsident der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Bayern in seinem Amt bestätigt. Vizepräsident und Finanzvorstand ist weiterhin Pastor Stefan Rebensburg (57). Als weiterer Vizepräsident wurde Pastor Martin Böhnhardt (42) ebenfalls wiedergewählt.

Die Delegierten sprachen Wolfgang Dorn mit 96 Ja- und 13 Nein-Stimmen ihr Vertrauen aus. Die Abstimmungsergebnisse für Stefan Rebensburg lauteten 102:6 und für Martin Böhnhardt 77:29. Die drei Geistlichen wurden erstmals 2013 mit der Leitung der Freikirche in Bayern betraut. Als Abteilungsleiter für die Adventjugend, dem Jugendverband der Freikirche, wählten die Abgeordneten Jakob Bartke (36) mit 96 JA- und 11 Neinstimmen.

Rechenschaftsbericht zeigt Stärken und Wachstumspotentiale
Den Vorstandswahlen vorausgegangen war die Vorlage des Rechenschaftsberichts über die zurückliegenden vier Jahre sowie Beglaubigungen für die Pastorinnen und Pastoren und die Mitarbeitenden im geistlichen Verwaltungsdienst. Zum Rechenschaftsbericht verwies Präsident Dorn auf die fünf Handlungsfelder der letzten Konferenzperiode: a) Stärkung der Ortsgemeinde, b) Befähigung der Pastoren, c) Fokussierung auf Kinder und Jugendarbeit, d) Unterstützung von Gemeindeaufbau und Evangelisation und e) Förderung von sozialem Engagement, Bildung und Erziehung.  Dabei erwähnte er auch beispielhaft drei Projekte, die nach seiner Überzeugung gelungen seien:  die Umsetzung eines evangelistischen  Kleingruppenkonzeptes, die Gründung einer adventistischen Grundschule in Nürnberg und die Aufnahme als Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern (ACK) durch deren Mitgliedskirchen. Allerdings machten ihm die rückläufigen Kirchenzugänge Sorge. Die Folgen des Corona bedingten Lockdowns und die Rückkehr der Kirchenmitglieder in reguläre Gottesdienste seien noch nicht absehbar. Auch hätten nur etwa 34 Prozent der Jugendlichen aus adventistischen Familien im Alter von 16 – 26 Jahren im Berichtszeitraum für ein Leben mit Christus durch eine Taufentscheidung gewonnen werden können. Nach der Vorlage des Berichtes erteilten die Abgeordneten dem Vorstand und Landesausschuss Entlastung.

Verfassungsanpassungen
Zu den weiteren Agendapunkten der Tagung gehörten notwendige Änderungen der Verfassung, der Wahl-, Geschäfts- und Schlichtungsordnung. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland in jedem der 16 Bundesländer als Körperschaft des öffentlichen Rechts registriert ist. Mit den Änderungen wurden die entsprechenden Ordnungen denen in den anderen Körperschaften angepasst. Außerdem wurde ein Geschäftsverteilungsplan eingeführt.

Historische Entscheidung zur gleichberechtigten Segnung von Pastoren
Einen mit Spannung erwarteten Antrag legten die jungen Pastoren Ralf Hartmann (Landshut) und Frederik Woysch (Wasserburg) den Delegierten vor. Es ging um die „vollumfängliche und einheitliche“ Gleichstellung in der Segnungspraxis von Frauen und Männern als Pastoren. Woysch und Hartmann legten eine gut recherchierte Geschichte der Frauenordination innerhalb der Freikirche vor und begründeten ihren Antrag für eine Ordination der Frau zum Pastorenamt mit ausführlich dokumentierten Hintergrundinformationen. Alle Unterlagen waren im Vorfeld allen Abgeordneten zugänglich gemacht worden.

Diskriminierung beenden
Die Entscheidungsvorlage entbehrte nicht einer gewissen Brisanz. Schon dreimal hatte sich das oberste Entscheidungsgremium der Freikirche (Weltsynode) in den letzten Jahrzehnten gegen die Frauenordination gewandt. In der intensiv geführten Aussprache im Anschluss an die Antragstellung zeigten sich die unterschiedlichen Positionen in dieser Thematik. Auf der einen Seite, so einige Beiträge, sei es an der Zeit, die Diskriminierung der Frau im Pastorenamt zu beenden. Die Ordinationspraxis der Freikirche sei insgesamt unbiblisch und spiegele eher römisch-katholische Ansichten wider. Die Bibel kenne die Segnung und die Beauftragung, aber keine Amtsordination. Die Segnung und Beauftragung richteten sich nach dem Willen des Heiligen Geistes und nicht nach dem Geschlecht.

Einheit der Kirche in Gefahr
Auf der anderen Seite wurde die Einheit der Kirche beschworen und der Antrag als ein Akt der Rebellion und Nichteinhaltung von bereits getroffenen Entscheidungen der höchsten Kirchenebene angesehen. Die überregionale Kirchenleitung der Adventisten für Nord- und Ostdeutschland (Norddeutscher Verband/NDV) war bereits durch die Weltkirchenleitung der Freikirche im Herbst 2019 wegen ihrer Ordinationspraxis verwarnt worden. Der bei der Tagung in Puschendorf anwesende Präsident der teilkontinentale Kirchenleitung adventistischer Christen in West- und Südeuropa (Intereuropäische Division/EUD), Mario Brito, warnte, dass womöglich die Büchse der Pandora geöffnet würde und man die Chance durch zu schnelles Vorgehen verspiele, andere Regionen mit ins Boot zu holen.

Die Zeit war reif
Auf den ersten Blick könnte sich dem der außenstehenden Betrachter ein Bild der Zerrissenheit der Kirche geboten haben. Und in der Tat, die unterschiedlichen Auffassungen in der Frage der Ordination der Frau zum Predigtamt sind nicht nur erkennbar, sondern erschweren auch das Gefüge der lokalen Kirchengemeinden. Doch für die anwesenden Delegierten schien die Zeit für eine eindeutige Richtungsentscheidung gekommen. Mit einer 2/3 Mehrheit (72:35) stimmten die Anwesenden dem vorgelegten Antrag zu und versahen ihn mit einem kleinen Zusatz, der deutlich machen sollte, dass es nicht nur „um eine bloße Rebellion“ ging.  So wurde die überregionale Kirchenleitung für Süddeutschland (Süddeutscher Verband/SDV) mit in die Verantwortung gebeten. Der Antrag lautet:

„Vorbehaltlich der Zustimmung des SDV segnen wir ab sofort alle Angestellten im geistlichen Dienst im Kontext der Bayerischen Vereinigung vollumfänglich unabhängig ihres Geschlechts und sehen diese Segnung als kirchenrechtlich verbindliche Ordination an.“

Damit scheint ein historischer Meilenstein gesetzt, eine Wende eingeläutet und ein deutliches Signal für andere Regionen der Freikirche abgegeben zu sein, so Pastor Matthias Grießhammer, einer der Delegierten.

Abteilung Frauen
Als weiteres Novum darf die Entscheidung angesehen werden, die Abteilung Frauen zukünftig nicht mehr wie bisher nur als Beauftragung, sondern als eigenständige Abteilung mit Sitz im Exekutivgremium (Landesausschuss) zu führen. Engagiert wurde der Antrag von Annelies Plep, Leiterin des Familienzentrums Arche Noah in Penzberg, eingebracht, dass „dafür eine Stelle bis zu 50% geschaffen wird“ und die Leitung der Abteilung mit einer Frau besetzt wird. Auch dieser Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit unterstützt.

Präsenzveranstaltung mit einem Schutz- und Hygienekonzept
Lange stand nicht fest, ob in der derzeitigen COVID-19 Situation, diese Konferenz überhaupt stattfinden konnte. Einmal war der Termin bereits verschoben worden. Mit einem streng verfolgten Schutz- und Hygienekonzept nach den Regeln der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und in enger Abstimmung mit dem Landratsamt Fürth wurde im Vorfeld die Durchführbarkeit besprochen und schließlich genehmigt. In der sonst mit 1.300 Sitzplätzen versehenen Konferenzhalle hatten mit Einhaltung des Mindestabstands und in Reihenbestuhlung max. 170 Personen Platz. Teilnehmer ab dem 16. Lebensjahr hatten während des gesamten Aufenthaltes innerhalb der Räumlichkeiten eine FFP2-Maske zu tragen, die nur bei Ansagen am Mikrofon abgenommen werden durfte. Jeder hatte einen festen Sitzplatz zugewiesen bekommen, der nicht getauscht werden konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Bewirtung durch die Betreiber der Konferenzhalle. Es gab kein klassisches Mittagessen an Tischen und Stühlen. Vielmehr wurde ein Imbiss im Foyer des Hauses eingerichtet. Jeder konnte sich vegetarische Wraps, Brezen und Kuchen mitnehmen und im großzügigen Außenbereich oder auch in der Halle verspeisen. Ein Konzept, dass auch für zukünftige Tagungen durchaus nachahmenswert erscheint.

Adventisten in Bayern gehören zu einer weltweit organisierten Kirche
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Bayern mit Sitz in München gehört als regionale Kirchenleitung zum Süddeutschen Verband (SDV) der Adventisten mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart. Zum ihm zählen als weitere regionale Kirchenleitungen, auch „Vereinigungen“ genannt, die Adventisten in Baden-Württemberg, Sitz Stuttgart, und in Mittelrhein (Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) mit Sitz in Darmstadt. Der Süddeutsche Verband ist Teil der weltweiten Adventisten und untersteht der teilkontinentalen Kirchenleitung für West- und Südeuropa (Intereuropäischen Division/EUD)) in Bern/Schweiz. Diese wiederum gehört zur Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Adventisten in Silver Spring, Maryland/USA.


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