Nach Pandemie droht zusätzlich 10 Millionen Mädchen bis 2035 eine Zwangsheirat

Friedrichsdorf bei Frankfurt/Main | 12. Oktober 2022 | APD |

Für rund 110 Millionen Mädchen müssen laut World Vision weltweit dringend Maßnahmen zum Schutz gegen eine drohende Zwangsheirat ergriffen werden, schreibt die Kinderhilfsorganisation World Vision in einer Medienmitteilung zum gestrigen Internationalen Mädchentag (11. Oktober). Dies seien zehn Millionen Mädchen mehr als vor der Corona-Pandemie. Die Kinderhilfsorganisation veröffentlicht einen „Girls’ Opportunity Index“ sowie einen Bericht zu Möglichkeiten für Mädchen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Während sich diese Möglichkeiten in manchen Ländern positiv entwickelten, würden sie in anderen Ländern auch durch aktuelle Krisen weiter eingeschränkt.

Bericht Fighting for a Future

Der Bericht Fighting for a Future analysiert die Entwicklungschancen von Mädchen in 40 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, einschließlich der 20 Länder mit den höchsten Raten an Zwangsverheiratung und Eheschließungen im Kindesalter. Die Mehrzahl dieser Länder liegt in Afrika südlich der Sahara. Der Bericht prognostiziere, dass in Ländern mit den niedrigsten Entwicklungschancen 52 Prozent der Mädchen zu einer frühen Ehe gezwungen würden, so World Vision.

„Girls’ Opportunity Index“

An der Spitze des „Girls’ Opportunity Index“ stehen Länder in Lateinamerika, aber auch Vietnam und Südafrika, aufgrund von Daten zu Gesundheit, Bildung, ökonomischen Möglichkeiten und gewährten Rechten.

Verschlechterung der Situation seit der COVID-19-Pandemie

„Wir haben insgesamt jedoch eine Verschlechterung der Situation seit der COVID-19-Pandemie gesehen. Untersuchungen zeigen jetzt, dass weitere zehn Millionen Mädchen bis 2035 gefährdet sind, früh verheiratet zu werden. Die Auswirkungen von Pandemie-Lockdowns und der aktuellen Wirtschafts- und Hungerkrise sind zu spüren“, so Dana Buzducea, Kinderrechtsexpertin von World Vision.

Jährlich werden 12 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet

Demnach würden jedes Jahr rund zwölf Millionen Mädchen verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreicht haben. Die vergleichende Studie zeige deutlich den starken Zusammenhang zwischen den wahrgenommenen Möglichkeiten für Mädchen, ihrem Einfluss auf Entscheidungen über ihr Leben und ihrem Risiko, zwangsverheiratet zu werden.

Die bewusstseinsfördernde Arbeit mit Familien, Gemeinden und Regierungen sei unverzichtbar, weil nur durch ein gesellschaftliches Umdenken Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig erreicht werden könne, so World Vision.

Der Bericht Fighting for a Future kann als pdf-Datei heruntergeladen werden:

https://www.wvi.org/publications/policy-report/it-takes-world/fighting-future-girls-opportunities

Über World Vision

World Vision ist eine überkonfessionelle christliche Hilfsorganisation mit 70 Jahren Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit. Ihr Anliegen ist es, durch Hilfe zur Selbsthilfe Kinder, Familien und ihr Umfeld im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit zu unterstützen – unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion oder Nationalität. Das World Vision-Netzwerk, ist in fast hundert Ländern aktiv. Der Sitz von World Vision Deutschland befindet sich in Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main.